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II.
Erste und zweite Basler Reise.
(1514—1516.)
"Bis Anfang Juli hielt Erasmus sicli in London auf, dann trat erdie Reise über den Kanal an. Die erste Nachricht, die wir nach demAufbruch von ihm haben, ist ein Brief an Ammonio (ep 159), den eram 8. Juli aus dem Schlosse Ham bei Calais, dem Wohnsitze des LordMountjoy, schrieb und der richtig 1514 datiert ist, da unter den Gönnernder Bischof von Lincoln, also Wolsey, genannt ist. Aus dem „letztenLebewohl" an den treuesten Freund und den Geleitsgeschenken derenglischen Grossen gewinnen wir den Eindruck eines Abschiedes auflängere Zeit; denn Erasmus wollte, wie er hier sagt, nach Deutschlandund zwar, so schreibt er am folgenden Tage an Servatius (App. 8,9. Juli 1514), nach Basel gehen, um schliesslich nach England wiederzurückzukehren.
Servatius, einst sein Jugendfreund im Kloster Stein bei Gouda,jetzt Prior desselben Klosters, hatte Erasmus aufgefordert, mit Rücksichtauf das natürliche Ruhebedürfnis des nahenden Alters seine Lebensweiseund Kleidung zu ändern, d. h. in das Kloster zurückzukehren uudwieder Mönchstracht anzulegen. In seiner Antwort bezieht sich Erasmusauf die allgemein und auch dem Prior bekannte Thatsache, dass erwider seinen Willen in das Kloster gethan sei; wenn er auch seinOrdensgelübde freiwillig abgelegt habe, so sei es doch unmöglich, voneinem unerfahrenen, siebzehnjährigen Jüngling ein richtiges Urteil überseine Neigungen zu verlangen; auch ausserhalb des Klosters habe erder Kirche gedient und wolle ihr sein ganzes Leben widmen. Denwiederholten Wechsel der Kleidung erklärt er aus der Rücksicht aufdie nationalen Gebräuche der Völker, unter denen er zu leben gewohntsei und beruft sich auf eine Dispensation des Papstes Julius II. vondem Kleidungszwange. An eine Rückkehr nach dem Kloster auch nurzu denken, lag ihm natürlich fern; aber wie er sich hier ohne jedeEmpfindlichkeit herbeilässt, Servatius geradezu Rechenschaft von seinerLebensweise abzulegen, müssen wir doch ein formelles Recht des Priorszur Einmischung erkennen. Schon im Jahre 1506, nach der zweitenenglischen Reise, hielt er es für nötig, dem geistlichen Mahner zu ver-sichern, „dass nur gewichtige Gründe und der Rat kluger Männer ihn
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