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Dabei wird allerdings vorausgesetzt, dass das zweite Gesuch auchwirklich durch Grunni vermittelt worden ist; und hier stelleu sichSchwierigkeiten ein. Thatsächlich wird der Name des Grunni währendder ganzen Verhandlungen mit Korn nie genannt; noch mehr: er kommt,mit einer einzigen späteren Ausnahme'), in dem Briefwechsel des Eras-mus überhaupt nicht vor; Grunni scheint ihm völlig fremd gewesen zusein. Wie auffallend nun, dass Grunni hier als vertrauter Freundauftritt, und andererseits wie unwahrscheinlich, dass Erasmus einemihm unbekannten Manne ein so wichtiges Geschäft übertragen habensollte! Auch der Brief selbst weckt Bedenken; gleich die Anfangs-worte: „Hactenus, eruditissime Lamberte, ab hoc genere causarumlubens abstinui, licet a multis interpellatus" — wie kann Erasmus inseiner eigenen Angelegenheit sagen — denn die Kolle des Florentius,die er spielt, muss doch sehr durchsichtig sein, wenn sie nicht unwirk-sam werden soll — dass er nicht gern den Vermittler spiele? Auchhätte die erkünstelte Bescheidenheit des Humanisten, die eher etwas zuviel als zu wenig that, kaum zugegeben, dass er von seiner „indolesmulto omnium felicissima" spricht. In auffälliger Weise bricht auchder weitschweifige .Brief unvermittelt mit ein paar kurz hingeworfenenZeilen ab, die die Wirkung des Ganzen ungemein stören. Noch uner-klärlicher sind die Bemerkungen über die chiffrierte Nachschrift; Erasmussoll ein eigenes Chiffriersystem gehabt haben, er soll den Schlüssel imletzten Brief an Grunni geschickt haben — er hat also doch öfter anihn geschrieben? — und von alledem sollten wir in den Briefen desErasmus und Ammonio nichts erfahren, nichts von den Chiffern, nichtsvon dem wiederholten, geheimisvollen Briefwechsel mit Grunni? Ist esanzunehmen, dass Erasmus für diese Korrespondenz ein Chiffriersystemausgeklügelt hat? Klingt es nicht, als ob es ein Diplomat gewesen ist,der diese diplomatischen Hilfsmittel anwandte, mit einem Worte, als obAmmonio selbst hinter dem Briefe zu suchen ist? Ammonio, der zuseinen sonstigen Verhandlungen mit dem päpstlichen Hofe sehr oft sichchiffrierter Depeschen bedient hat, der wohl von Rom her auch Grunnipersönlich kannte, ist es, der die chiffrierte Notiz dem Briefe hinzufügte,der den Schlüssel an Grunni gesandt hatte; aus seinem Munde klingendie Anfangsworte wahrscheinlicher, dass er sich nicht gern mit Ver-mittelungen befasse und nur um des Freundes willen dem Freundebeschwerlich falle. An Ammonio ist auch die Antwort Grunni's ge-richtet, deren Angaben dann zu allen sonst bekannten Äusserungena ) Erasmus an Grunni. Freiburg, 5. März 1531. Opp. omn. X, 1590.