HS»
■i
mm.
134
spielung auf seine astronomischen Beobachtungen beziehen mag. Seine Vor-lesungen hat Erasmus noch nicht begonnen: das spricht gegen die Annahmeeines Aufenthalts in Cambridge vor dieser Zeit; zur Kräftigung seinerwie stets angegriffenen Gesundheit bittet er Ammonio um eine Flasche(„lagena") griechischen Weines, für den er ihm sofort das Geld zu-senden will. Über diesen Zusatz zeigte sich das Zartgefühl des Freundesein wenig verletzt, und Erasmus suchte ihn zu beschwichtigen (ep. 116,fälschlich 17. August); zugleich lud er ihn zu einem Besuche nachCambridge ein; nebenher erwähnte er ein Gerücht vom Tode Julius' II.Aus diesem Zusammenhange ergiebt sich, dass ep. 116 auf ep. 118folgt, also nicht auf den 17. August, sondern etwa in den Anfangdes September fällt; dagegen scheint ep. 116 vor dem 13. September,also vor ep. 149, zu liegen. — Diese 3 Briefe sind die einzigen ausQueen's College datierten, in dem Erasmus nur wenige Tage wohnenwollte (ep. 118).
Hochfliegende Hoffnungen setzte Erasmus auf seine CambridgerProfessur nicht; wie er spöttisch darüber spricht (ep. 117), mag er sieals vorübergehenden Unterschlupf betrachtet haben, den er bei jedergünstigen Strömung, nach der er unablässig ausschaute, zu verlassenbereit war. Da musste es denn seinen optimistischen Glauben an dieenglische Opferwilligkeit tief herabstimmen, als er auf keiner Seite, auchbei den Männern der Wissenschaft nicht, ein Entgegenkommen sah.John Colet, der Dekan zu St. Pauli in London, hatte 1510 als Depen-denz seiner Kirche die Paulsschule gegründet, zu deren Gunsten er, einwohlhabender Mann, am 4. November 1511 ein Legat aussetzte 1 ).In dem Bestreben, alle Kräfte für sein junges Unternehmen zu gewinnen,hatte er bei Erasmus durchgesetzt, dass dieser sein neues Werk „Deduplici copia verborum ac rerum", das er dem jungen Prinzen Karlvon Burgund, seinem Fürsten, zu widmen gedachte, für die Paulsschulebestimmte, allerdings nur gegen eine Entschädigung 2 ); das geschah imApril 1512. Da Colet Linacre, den Leibarzt des Königs, durch dieZurückweisung seiner Grammatik für die Paulsschule verletzt zu habenglaubte, beruhigte ihn Erasmus darüber (ep. 149, 13. Sept.); er sandte
*) Knight, Leben Colets; übers, v. Arnold. Leipzig 1735. S. 309 f. —Seebohm, a. a. 0. 138 ff. — Hartfelder, Das Ideal einer Humanistenschule,in d. „Verhandl. d. 41. Versamml. Dtsch. Philol. u. Schulmänner in München.Leipz. 1892. S. 166 ff.
2 ) vgl. ep. 115, S. 107 A, u. den Catal. Lucubr. an Botzheim, Opp. I,[3]: „extorsit potius quam impetravit".
■■■■,.■;■■■.■;■•■■..'■
MB
SB
H