^M
97
technische, stilistische oder ikonographische Abhängigkeit —, sonderneben einfach die Imitation eines Dessins sehen, welches durch seineFremdartigkeit den Miniatur zur Nachbildung reizte. Dass in Triersolche Gewebe vorhanden waren, ist als ebenso sicher anzunehmen, wieam kaiserlichen Hofe, in dessen nächster Nähe die EhestiftungsurkundeOttos II mit Theophaun (herzogl. Archiv Wolfenbüttel) entstanden ist,welche einen ähnlich verzierten Pergamentgrund aufweist 1 ).
Ebenfalls Trierer Ursprungs, aber doch mit dem EchternacherCodex zusammengehörend, so dass sie hier besprochen werden muss, istdie Hs. Brüssel Bibl. du roi No. 9428 Liber evangeliorum per annicirculum mbr. 14,5X20,5. 183 Bl. saec. X. ex. Voege hat die Hs.und ihren Bilderkreis bereits, unter Angabe der Litteratur, besprochen,so dass ich mich kurz fassen kann. Es sei hier nur noch erwähnt,dass eine ganze Reihe der Initialen, sowie ein Ganzzierblatt mit InitialO 2 ) bereits v. Cahier-Martin Nouveaux melanges Bd. Bibliotheques 1877publiciert worden als aus einem Ms. der Bollandisten in Brüssel her-rührend (p. X, p. I 2 , 5, 7, 8, 9, 11 (Initial 0), 14, 16, 19, 21,28, 31, 32, 38, 39, 40, 47, 56, 59, 60, 67, 76, 79, 81 2 , 83, 89,97, 100, 109, 110, 114, 115, 120, 122, 129, 136, 141, 161, 167,171, 184, 187, 192, 193, 200, 205, 215).
Schon von Dobbert und Strzygowski (vgl. Voege a. a. 0.) wurdeder ikonographische Zusammenhang der Hs. mit dem Egbert- und Ech-tcrnachcodex hervorgehoben. Aber der Zusammenhang technischer undstilistischer Natur ist noch grösser. Übereinstimmend sind z. B. diePurpurgründe mit Teppichmuster, ferner erwähne ich die enge Verwandt-schaft der Initialornamentik. So vergleiche man z. B. den Initial Sbei Cahier-Martin S. 5 mit demselben Initial aus der Gothaer Hs. beiLamprecht, Initialornamentik Tafel 22c 3 ). Wir finden dieselbe Weise,die Knöspchen und Ausläufer mit einem runden Knollen abzuschliessen.Der Egbertcodex schliesst meist mit dreiteiligem herzblattförmigem Knollenab, der z. T. auch in den Echternacher Codex übernommen ist.
*) Sickel, Diplom. Ottos II, 21. Abb. Sickel-Sybel Kaiserurk. IX, 2.Stumpf, R. 568. Schlosser, Schriftquellen zur Gesch. d. karol. Kunst. S. 407.B. Bücher in s. Techn. Künsten I. S. 203 spricht merkwürdigerweise von„bedruckten teppichartigen Mustern."
2 ) Derselbe weist ganz dasselbe Sternmuster in viereckigem Medaillonauf wie das Freiburger Sacramentar und ähnlich die Pariser Hs. Cod. lat.8851 (suppl. lat. 667) siehe oben S. 84.
3 ) Vgl. überhaupt die Initialbuchstaben bei Cahier mit den von Lamp-recht aus der Gothaer Hs. zusammengestellten Initialalphabet.
Westd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. (
m Uüil
IH
9b