vorgehoben, dass die Scene der Hirten auf dem Felde sowie auchandere Bilder solchen italienischen Einfluss aufweisen; zugleich wieser auf den Codex Rossanensis zum Vergleiche hin (vgl. auch seineausführliche Besprechung der Ausgabe des Codex Bossan. von Geb-hard und Harnack. Bonner Jahrb. 69, S. 90 ff.) Ein direkt auseinem italienischen Vorbilde entnommener Zug ist der hinter demHaupte Egberts ausgebreitete viereckige Nimbus der Lebenden. Manfindet ihn auf italienischen Kunstwerken wieder, z. B. in einer latei-nischen Hs. des 9. Jahrh. aus Italien (Abb. L. Twining, Symbols andEmblems of Early and Mediaeval Christian art. London 1852, pl.XCIII 7 nach Didrons Iconogr. chretione. Twining sagt von diesem Nimbus:„is only found in Italian works of art." Vgl. überhaupt diesen ital.Bischofskopf mit dem Egberts.) Derselbe Nimbus kehrt wieder in einemPontificale der Minerva-Bibliothek zu Rom (saec. XI, Abb. Rohault deFleury, La Messe VI. Tafel CDLXXIII).
Der von Voege in Köln lokalisierte Aachener Ottonencodex wurdevon Beissel in seiner Ausgabe desselben und in Schnütgens Zeitschriftfür christliche Kunst I. S. 59 als auf der Reichenau entstanden be-zeichnet. Vielleicht gewinnen wir durch eine Vergleichung des Codexmit dem Egbertcodex einige Klarheit.
Die Kreuzigung wird von beiden Handschriften (Beissel 30 u. 31,Kraus 49 u. 50) in zwei Teile zerlegt, welche Cim. 58 wiederum zueiner Scene kombiniert (Voege S. 61 Abb.). Kraus T. 50 und BeisselT. 31 weisen eine geradezu überraschende Ähnlichkeit auf. Dieselbenaufeinandergehäuften Erdschollen, auf deren Spitze das in beiden Fällenoben krückenförmig abgeschlossene Kreuz steht. Identisch ist auch dieFigur des eben das Haupt senkenden und verscheidenden Herrn mitden welk herabhängenden Fingern, das nach links bauchig heraustretendeGewand; die Füsse sind parallel nebeneinander angeheftet und nachlinks gewendet. Abänderungen zeigen die Bewegungen des Longinusund der beiden Tortores; übereinstimmend ist bei dem linken derselbendas Heraustreten der Hände und der Keule aus dem Bildrahmen. Auchdie Gewandung und Kopfhaltung der Schacher ist etwas differenziert.Es lässt sich für den Codex das Urteil Voeges unterschreiben (S. 78 f.).Wir haben hier keine direkte Vorlage in dem Egbertcodex, aber einestarke ikonographische Verwandtschaft.
Aber auch technische und dekorative Momente bekunden Rei-chenauer Einfluss. Es liegt mir fern, gleich eine Entstehung desAachener Codex auf der Reichenau anzunehmen, ich möchte nur für