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Die Unterzeichnung des Bildes geschah mit brauner Tinte; beigenauerem Zusehen bemerkt man bei derselben sehr interessante Details,die noch deutlicher hervortreten, wenn man das Blatt gegen das Lichthält. Einiges davon kommt auch bei der Eeproduktion in Palustreund Montault und auf unserer Tafel V zum Ausdrucke. Es deckensich nämlich die Unterzeichnung und die Ausführung in Deckfarbennicht stets; so war z. B. das Ornament am Dache ursprünglich andersbeabsichtigt, ebenso die Faltenzeichnung der Kleiderstoffe. Die Votiv-krone war viel einfacher und höher hängend angelegt, die Architekturwar ebenfalls anders beabsichtigt, indem ursprünglich Rundbogenfenstervorgezeichnet wurden. Kurz, wir haben hier die freie, fast möchte mansagen, künstlerische Aus- resp. Umarbeitung der Unterzeichnung. Obhier zwei Hände anzunehmen sind?
Auf fol. 13 des Egbertcodex (Kraus, Tafel 12, die das z. T.ebenfalls ausdrückt) ist an der Engelgruppe rechts der Deckfarbenauf-trag z. T. abgeblättert, wobei ebenfalls eine braune Unterzeichnung zuTage tritt; auch hier decken sich nicht Vorzeichnung und Ausführung.Die Unterzeichnung zeigt klassisch schöne Köpfe von entschieden andererHand. Unter dem Stabe des mittleren Hirten kommt eine Fussspitzezum Vorschein. Ähnliche Abweichungen vgl. Tafel 20, 41, 51.
Man gestatte mir hier einen kurzen Excurs über den Egbertcodexsowie eine andere, vielumstrittene Handschrift, den Aachener Ottonen-codex. Der Codex Egberti zeigt eine milde harmonische Farbengebung.Die Übergänge der Hintergründe sind allmählich. Hände und Füssezeigen in der Regel einen roten Kontur, der allerdings manchmal auchbloss eingeritzt, augedeutet ist. Die Architektur weist ganz entschiedenauf italienische Vorbilder hin (vgl. Kraus Tafel XXXIX). Kraus hatfür die Reichenauer Wandmalerei die Quellen in Italien gesucht undgefunden (S. 22 ff.), für die Miniaturmalerei Reichenaus muss mansüdliche Zuflüsse ebenfalls annehmen und zwar mit aller Energie. Derganze Habitus der Figuren, die ruhige, gesicherte Technik, die Farben-gebung, ikonographische Merkmale, kurz alles weist auf ältere italie-nische Vorlagen hin. Schon Lamprecht (B. J. 70. S. 95) hat her-
nicht vor, ja wird sogar durch die Verschiedenheit des Textes sehr unwahr-scheinlich gemacht. Die vier Evangelistensymbole weisen schon auf einEvangeliar als Vorlage hin. Es liegt gar nicht in der Technik einer mehrmechanisch arbeitenden ma. Schreibschule, bei der Ausschmückung einesEvangeliars Darstellungen aus einem andern liturgischen Ruche, in diesemFalle einem Sacramentar, zu kopieren.
Westd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. G
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