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die *Livius-Codices M. IV, 9 und M. IV, 8 die für Kaiser Otto IIIerworbenen „duo Libri Liviani" sind, wie die Handschrift LIII,8 derin dem kleinen Verzeichnis der Bibliothek Ottos erwähnte „medieinalisüber" ist." Das Verzeichnis der Privatbibliothek Ottos III selbst befindetsich in eben dieser Hs. L. III, 8.
Auch der Boethius (H. J. IV, 12), der in Tours geschrieben wurde,kam aus der Bibliothek Ottos III nach Bamberg 1 ).
Aber nicht bloss Handschriften bezog man aus Italien, man beriefauch Künstler und Kunsthandwerker dorther. So berief z. B. Otto IIIeinen Johannes zur Dekoration der Aachener Palastkapelle 2 ). AusNorditalien (Venedig) hatte Karl der Grosse einen Orgelbauer, Georgius,kommen lassen, der in Aachen eine Orgel baute („Organum, quod graecehydraulica vocatur") 3 ). • ■
Untersuchen wir jetzt den italienischen Einfluss auf Tours. Bereitsoben wurde erwähnt, dass die sog. turonische Halbunicale direkt auf ita-lienische Schrifttypen zurückgeht. 4 ) Ein analoger Fall mag dies illustrieren.Der bekannte Codex Amiatinus ist allerdings in Jarrow oder Wearmouthgeschrieben worden, aber ein Angelsachse, wie Berger (a. a. 0.) meint,ist der Schreiber nicht. Corsseu sagt in der Recension des Berger'schenBuches (a. a. 0.): „Nicht nur die Schrift, sondern auch die Orthographie,hat, ausser ganz schwachen Spuren, nichts angelsächsisches. Man braucht,um dessen inne zu werden, den Amiatinus nur mit dem nahe verwandtenEvangeliar Cotton Nero D IV zu vergleichen, die in beiden Stückenein echter Vertreter angelsächsischer Schreibübuug ist." Der CodexAmiatinus ist vielmehr die Copie eines römischen Originals 5 ). Ebenso
*) Vgl. darüber Leitschuh, Karol. Malerei S. 84 ff.'-') Vita Balderici ep. Leod. cap. 13 f. Mon. Germ. S. S. IV. 628 f.Schnaase IV 2 S. 693, wo weitere Beispiele von ital. Künstlern in Deutschland.
3 ) Translatio SS. Marcelli et Petri cap. 75. A. A. S. S. Boll. Juni I.Schlosser, Schriftquellen.
4 ) Die Vorliebe und Vorsorge für eine schöne Schrift war in den erstenJahrhunderten in Italien nicht abhanden gekommen. Ich erinnere nur anden Kalligraphen Philocalus, der für Papst Damasus, den grossen Katakomben-restaurator, so viele Inschriften anfertigte. Vgl. Kraus, Roma soterranea-S. 24 f. Strzygowski, D. Kalenderbilder des Chronographen vom Jahre 354.(Ergänzungsheft I zum Jahrbuch d. K. deutschen archäol. Institus. Berlin 1888.)
5 ) Das Evangeliar saec VI ex. im Cambridger Corpus Christi College(Katalog v. Wanley No. 286) ist z. B. höchstwahrscheinlich einer der nachBeda dem h. Augustinus von Gregor d. Gr. 601 nach England mitgegebenenvielen („plurimi") Codices. Ficker, die Aposteldarstellg. S. 136. Garrucci III,Tafel 141, Text S. 64 ff. Perate" L'arche"ol. ehret. S. 280 u. Abb. d h. Lucas.