58
Das sog. Evangeliar des h. Corbiuian ist eine italienische Hand-schrift des 6./7. Jahrh., die der Heilige selbst aus Italien mitgebrachthaben soll (München Staatsbibl. cod. lat. 6224 cod. Fris. 24. Cim. 13).Geschrieben ist die Handschrift von einem italienischen Schreiber Vale-rianus 1 ). Der geringe künstlerische Schmuck weist die alten, schon inder Kunst der ersten Jahrhunderte angewandten Motive auf: Hundeverfolgen den Hasen (aus der Sarkophagplastik vgl. die Tafeln vonLe Blant: Etüde sur les sarkophages chretiens antiques de la villed'Arles) und das uralte Katakombenmotiv: zwei Vögel zu beiden Seiteneiner Vase oder eines Kreuzes.
Einzelne neue italienische Einflüsse in der ottonischen Buchmalereifehlen ebenfalls nicht. So ist z. B. der Markus im Echternacher undBremer Evangeliar Heinrichs II 2 ) als Bischof dargestellt, ferner aus-drücklich als solcher bezeichnet in dem zu Trier entstandenen Cod. lat.8851 (suppl. lat. 667) der Pariser Nationalbibl. (vgl. unten S. 86). Dasist aber ein spezifisches Charakteristikum der italienischen Kunst, weil ihndort die Sage als Bischof von Alexaudria und Aquileja bezeichnete 3 ).
Von Kaiser Heinrich II wissen wir, dass er bei, der Neugründungdes Bistums Bamberg dasselbe mit allen möglichen Hss. ausstattete,deren Provenienz z. T. noch feststeht (aus St. Gallen, Lobbes, Mailand,Reims und Tours) 4 ). Besonders der unteritalienische Zug des Kaisersim Jahre 1022 hat die Erwerbung vieler Handschriften mit sich ge-bracht. „So enthält der Sammelband *E III. 14, welcher die VitaAlexandri Magri des Archiprcsbyters Leo birgt, auch eine Anzahl vonBearbeitungen historischer Werke, deren Entstehung auf die Bücher-fabrikation am Hofe des Herzogs Jobannes von Campanien zurückzuführenist." Ferner gelangten aus der Privatbibliothek Ottos III wertvolleHss. an Heinrich II und wurden von diesem dem neuen Bistume über-wiesen. „So ist es nun z. B. zur vollen Gewissheit geworden, dass
karolingisch-ottonischen Malerei als Schmuck der Canonesbogen dient. (Einigein Trier entstandenen Codices, nämlich der Echternacher Codex und derEvangeliar der St. Chapelle (Willemin, Monuments' frangais inedits Ipl. 44), wenden dasselbe Motiv an. Ferner finden wir dort schon die com-plicierte Händepsychologie.
') Riehl, Gesch. d. Sittenbilds in d. deutschen Kunst 1884. S. 3 f. —L. v. Kobell, Kunstvolle Miniaturen und Initialen aus Handschriften des 4-bis 16. Jahrh. München. S. 7, wobei zwei Tafeln.
2 ) Die Litteratur über diese Hs. Voege, D. Malerschule S. 383.
3 ) Beissel, D. Hss. d. Kaisers Otto zu Aachen. S. 76.
4 ) Giesebrecht, Gesch. d. d. Kaiserzeit II 2 S. 63; ausfuhr!. Leitschuh,Führer durch d. Kgl. Bibl. zu Bamberg, 9. Aufl. 1889. S. 38 f.
■ ■ ■''. ..' ;■ ■ I J. M ,' ■ I I j HHHHM