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Man ersieht aus diesen wenigen Andeutungen, von welcher Wich-tigkeit diese retrospektive Methode der Untersuchung ist, besonders fürdie Miniaturmalerei der nordalpinen Länder. Wie bereits oben ange-deutet wurde, sind es aber nicht bloss die alten Elemente, welche nachdem Prinzip der Filiation immer und immer wiederholt worden, sondernes lassen sich neue Zuflüsse, Auffrischungen konstatieren 1 ). Eine solcheRenaissance, wenn sie auch mehr oder minder lokal beschrankt war,findet sich besonders in der karolingischen und der ottouischen Zeit.Teils waren es aus Italien exportierte Hss. und Elfenbeine oder daherberufene Künstler, teils ahmte man wohl auch antike oder altchristlicheWerke nach, die schon lange an Ort und Stelle waren, resp. da ent-standen waren. Solche Fälle eines direkten Einflusses antiker Denkmälersind nicht vereinzelt. Die romanische Plastik. Südfrankreichs, be-sonders von Arles, suchte und fand Anregung bei den Sarkophagen 2 );dasselbe ist, allerdings in umfassenderem Masse, von der Kunst NiccolöPisanos anzuführen.
Schon im frühen Mittelalter existierte ein ziemlich reger Haud-schriftenexport nach dem Norden. Nach G. B. de Rossi 3 ) verschickteRom bereits im 7. Jahrhundert Bilderbibeln mit typologischer Anord-nung über die Alpen, offenbar zum Zwecke von Vorlagen: die Arche-typen der ma. Malerbücher, wie sie Voege wahrscheinlich machte.
Der Ashburnham-Pentateuch ist z. B. eine norditalienische Bilder-handschrift des 7. Jahrh., die schon frühe 4 ) über die Alpen, höchst-wahrscheinlich sofort nach Tours kam, wo sie später aufbewahrt wurde,bis sie Libri im Jahre 1842 stahl. Es liegt kein Grund vor anzu-nehmen, dass die Handschrift nicht fofort nach Tours kam 5 ).
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x ) Springer, Quellen d. Kunstdarstellungen im MÄ. Berichte d. philol.-histor. Classe d. Kgl. sächs.. Gesr d. Wiss. 1879. I. S. 7. Vgl. dort denHinweis auf d. Codex v. Nicander v. Kolophons Theriaca, dessen Bilderantike Vorbilder copiereni
2 ) Voege, Die Anfänge des monumentalen Stils im Mittelalter S. 109 ff.
s ) Repertor. XIII. 455.. 4 ) Nach d. Gutachten der Paläogr. Society schon im 9. Jh. Vgl. d.Einleitung der Publikation von v. Gebhardt.
5 ) Springer, D. Geuesisbilder in der Kunst d. frühen MA. Abb. d.philol.-histor. Classe d. Kgl. sächs. Akad. der Wissensch. IX. 1884. S. 667 f.Die'daselbst Tafel II reproduzierte Darstellung aus dem Codex weist schondieselbe Art der Städtedarstellung, die Dächer mit dem durch zwei sichtangierende runde Scherben gebildeten Knauf, dieselben Faltstühle, den ganzenHabitus der Figuren wie in der karolingisch-ottonischen Buchmalerei. Dortfinden wir auch schon das Motiv des Mannes mit der Hacke, der in der