Druckschrift 
Beiträge zur Geschichte der Trierer Buchmalerei im früheren Mittelalter
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

^I^HI^H I

m m

55

Bogen der Canonestafeln sind mit Flachornamenten besetzt und beweisendas Unverständnis der architektonischen Formen: sie stehen in offenbaremstilistischem Zusammenhange mit der Schrift. Die Säulen machen denEindruck, als ob siePfosten oder gemalte Bretter" wären. Die ver-wandten Motive sind Motive von Fussbodenmosaiken und Wandbelagen(geflammte Steinarten), sowie Zirkelspiele. Die Blätter mit dem Kranzund den "Vögeln gehen auf antike und altchristliche Denkmale der Stein-plastik zurück, besonders auf Aren. Und zwar war die Umsetzung desplastischen Motives in das zeichnerische schon vorhanden, denn derMaler hat aus Missverständnis die Bandschleifen des Kranzes als dessenBasis verwandt 1 ).

Das umrahmte Titelblatt mit den alternierenden Ornament- undSchriftfrieseu des Evangeliars suchte nach "Wickhoff sein Vorbild in einemdoppelten mit Metallnägeln zusammengenagelten Holzrahmen, auf dessenKückseite man einen buntgewebten Teppich spannte, analog den leichtenFensterverkleidungen im Süden. Also eineEntwicklung zu einem demWesen der Buchmalerei entsprechenden Flächen- oder Teppichstil. Vonder Anfertigung der Canones aus entwickelt sich also in der Buch-illustration ein Schreiberstil, einfacher als jener Bilderstil der Kinder-bücher, der sich schliesslich aufgeschwungen batte, Fürstinnen zu er-götzen, gemein und plebejisch in seinem Beginn, bald aber sich reckendund rankend, bis er in jenen irischen und karolingischen Büchern inihre Art nie wieder erreichte Kunstwerke ins Leben rief."

Wickhoff führt die dekorative Ausgestaltung der Canonesbogon aufdiese Herübernahme architektonischer Vorbilder zurück und knüpft dabeian das im Palaste Diokletians zu Spalato zuerst auftretende Prinzipdes direkten Aufsetzens des Bogens auf die Säule an 2 ). Somit ist dieAnsicht Janitscheks von dem syrischen Ursprung der Canonesbogen 3 ),den schon Portheim 4 ) angezweifelt hatte, wenigstens in dieser Fassungunrichtig. Andererseits hat Janitschek aber wieder insofern Recht, als dieCanonesbogen in Syrien wohl schon sehr frühe angewandt wurdenbei dem engen Zusammenhange der syrischen Barockarchitektur 5 ) mit

J ) Dasselbe Missverständnis der Kranzschleifen bietet der Elfenbein-buchdeckel saee. 6 im Domschatze zu Mailand, der in der Mitte das Lamm trägt.Westwood, Fictile ivories S. 38. No. 95. Abb. Labarte 2. Aufl. Sculpture t. 5.

2 ) Vgl. d. vortreffliche Auseinandersetzung v. Schneiders in Ilgs Kunst-gesch. Charakterbilder aus Oesterreich-Ungarn. Wien 1893. S. 45 f.

3 ) Strassburger Festgruss an Anton Springer. 1885. S. 3 ff.

4 ) Über d. dekor. Stil. S. 39.

5 ) Vgl. Frauberger, Die Akropolis von Baalbek. Frankfurt a. M. 1892(und meine Notiz: Beilage zur Allgem. Ztg. No. 91, 19. April 1892).

. ü

MtSM

'i"$i?' : <>

'/'