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Beiträge zur Geschichte der Trierer Buchmalerei im früheren Mittelalter
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genaues Durchforschen der gesaraten erhaltenen Altertümer, Münzen,Siegel etc. ist unumgänglich notwendig. Die Kunst ist, im mathema-tischen Sinne gesprochen, die Funktion der kulturellen Faktoren undOrgane. Erst wenn das ganze grosse Material vollständig gesichtetvorliegt, kann man daran denken, mit einem wohlgefügten System vonFragen, die man hei den Einzeluntersuchungen gefunden hat, an dieMasse heranzugehen. Die Fragen werden sich alle heantworten lassen.Sie ergeben sich also experimentell bereits bei den Detailstudien, siefallen heraus, um zu einer wohlgeordneten Phalanx angeordnet zu werden,mit der man die Schwierigkeiten mittelalterlichen Kunstschaffens besiegenwird. Die bereits früher erworbenen, meist ikonographischen Eesultatesind festzuhalten und mitzuverwerten, doch muss stets der entwicklungs-geschichtliche Standpunkt festgehalten werden. Man wird sich hütenmüssen, in die von Springer 1 ) schon abgethane Symbolisirei zurück-verfallen. Auch die byzantinische Frage 2 ), der Einfluss der byzantinischenKunst auf unsere mittelalterliche Kunstproduktion ist hoffentlich baldals gelöst anzusehen.

Ferner ist es ein durch viele Belege bewiesenes Grundprinzip mittelalter-licher Kunst, dass sie ursprünglich als Bibel der Analphabetiker 3 ) galt.

Man wird sodann die oft ausgesprochene Ansicht, als ob künst-lerische Eigenart und Produktivität in der mittelalterlichen Kunst völligfehlten, einschränken müssen. Der frühverstorbene feinsinnige Portheimhat schon davor gewarnt 4 ). Er wies darauf hin, wie ein mittelalterlicherMaler die lange Reihe von typisch festgestellten Heiligen- und Bibeldarstel-lungen hindurch, welche ihm wenig Abänderung gestatteten, sich nach einerSzene oft sehnte, wo er wirklich selbständig, künstlerisch schaffen konnte.Dabei bricht auch manchmal der tiefe deutsche Humor 5 ) hindurch, den

*) Ikonograpliische Studien in Mitteilungen d. k. k. Centralkommission V1860 u. Die Quellen der Kunstdarstellungen im Mittelalter in: Berichte derVerhandlgn. d. kgl. säcks. Ges. d. Wiss. Philologisch-histor. Klasse 1879.

2 ) Beissel, Stimmen aus Maria-Laach XXVII 1884. Weitere Litteraturbei Voege Malerschule S. 153 ff.

3 ) Ficker, Mitralis d. Sicardus S. 2/3. Schnaase 2 III 568. IV 330.Didron Iconogr. ehret, p. 5/6. Kugler, Gesch. d. Malerei 2 I 145. Rann.Mittlgn. d. antiq. Ges. XX. 31 ff. Springer in Lützows Zeitschr. IX. 387.

4 ) Repertorium XI S. 191.

5 ) Das Bild des thronenden Gregorius in dem zu Trier unter Egbertentstandenen Registrum Gregorii zeigt den Papst, wie er einem jungen Klerikerdiktiert. Er ist dessen Blicken durch einen Vorhang entzogen, in den jedochder vorwitzige Schreiber mit dem Stilus ein Loch macht und hindurchsieht.Vgl. unten.