Druckschrift 
Beiträge zur Geschichte der Trierer Buchmalerei im früheren Mittelalter
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

Üf

$111

«111

§#1111

I I

Hl

II

I

HP

Kesiduen früherer Techniken und Stilarten hinzu. Die durch lokaleund historische Verhältnisse bedingte Combination aller dieser Einflüssebestimmen den Stilcharakter.Es wird die Probe auf die Richtigkeitder Stilkriterien sein, dass die von der Kunstgeschichtegeschaffenen"Schulen mit den von der Textkritik der Handschriften gefundenen Gruppenin strengem Zusammenhange stehen, und so wie der Kunsthistoriker mitHülfe der Textkritik den führenden Faden fester spinnen konnte, sowird er andererseits wieder manche Vermutung der Textkritik festerbegründen, ihr die geschichtliche Unterlage bieten können."

Voege hat in der oben erwähnten Schrift und in seiner Abhand-lung über die Mindener Schule 1 ) auf denselben Wegen fortschreitend,nur unter stärkerer Betonung der Technik als schulbildenden Faktors,für das Gebiet der ottonischen Kunst ein glänzendes Resultat erzielt, dasdie Sicherheit und Richtigkeit der neuen Methode auf das Beste bewährt.Nur fehlen leider für die ottonische Zeit noch die Schrift- und Textschulen,so dass die von Janitschek für die karolingischen Schulen geführte Ver-gleichung von Bild, Schrift und Text wegfällt. Voege gab übrigens vieleinteressante und neue Beiträge zur ottonischen Schrift- und Textkritik.

Wie ich bereits oben angedeutet habe, ist eine zusammfassendeGeschichte der mittelalterlichen Buchmalerei vorerst noch ein Postulatund wird es auch voraussichtlich noch für einige Zeit bleiben. DieUntersuchungen sind noch viel zu sehr im Flusse, um ein abschliessendesResultat auch nur annähernd genügend zu ermöglichen. Wie hypothetischdie Wissenschaft noch verfahren muss, beweist auf das Deutlichste derUmstand, dass der Abschnitt über karolingische Buchmalerei in Janit-scheksGeschichte der deutschen Malerei" von seinen sehr kurze Zeitspäter erschienenen Untersuchungen über dieselbe Materie in der Publi-kation der Adahandschrift vollständig überholt worden ist. Man kommtimmer mehr zur Überzeugung, dass die breiteste geschichtliche undkulturgeschichtliche Grundlage den Studien über mittelalterliche Kunstzu Grunde gelegt werden muss. Eine genaue Kenntnis der historischen,litterarischen, ethnologischen und ethischen Zeitverhältnisse, etwa imSinne Taines, kurz sämtlicher kultureller Faktoren und Organe 2 ), ein

*) Repertorium f. Kunstwissenschaft. XVI. 1893. S. 198 ff.

2 ) Ich erinnere hier an die feinsinnige Arbeit von Lamprecht: Dasdeutsche Geistesleben unter den Ottoneu. Quiddes Zeitschrift 1892. I. (auchin der Deutschen Geschichte Bd. IL) Vgl. ferner die Arbeiten von Prof.Dr. Grosse in Freiburg.Ethnologie und Ästhetik", Vierteljahrsschrift fürwiss. Philosophie 1891. IV. undDie Anfänge der Kunst". Freiburg 1894.Endlich Ficker, D. Mitralis d. Sicardus. S. 2.

Wm KL