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Die Ethnographie des alten Sachsenlandes.
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Zu einem vollen Verständniss aller Verhältnisse könnenwir aber nur dann gelangen, wenn wir vorher einen kurzenRückblick auf die altgermanischen Zustände dieser Landes-theile werfen.
Bei der Besprechung der ripuarischen Frankenherr-schaft haben wir bereits hervorgehoben, dass das alteStammesherzogthum Sachsen von drei, wenngleich untersich nicht wesentlich verschiedenen Stämmen, den Ost-phalen, Engerem und Westphalen bewohnt war.
Westphalen selbst zerfiel wieder in drei grosse Gaue.Den ersten hatten die Borocterer inne, den zweiten dieEngerer und den dritten endlich, der von Attuariern be-wohnt war, könnte man den Attuariergau nennen, wenn-gleich ein Collectivname zur Bezeichnung ihrer Sitzenicht nachweisbar ist. In der Histor. transl. s. Alexandri(Pertz Monum. Germ. hist. II. p. 680 §. 12) wird die Gegendvon Wattenscheid „pagus Hatterun" genannt und ein so her-vorragender Historiker wie Erhard verlegt in seinen Reg.Westf. N. 402 den Pagus Hatterun geradezu in jene Gegendhinein. In der Ortsbezeichnung Heribeldiu, Heribiediu wirddas heutige bei Hattingen gelegene Herbede gesucht, dasaus einem alten Reichshof hervorgegangen ist.*) Doch derName von Hattingen selbst weist in der alten Benennungvon Hatneghen auf eine Wortverwandtschaft mit Hut-terun hin. Mulier Werica de pago Hatterun ex villaHeribiedu sagt die Urkunde.
Dieser in Rede stehende Gau war nördlich von demBoructer-, östlich von dem Engergau begrenzt, währendim Westen die Ripuarier und im Süden ostfränkischeStämme wohnten. Noch heute geht die Sprachgrenzezwischen sächsischer und fränkischer Mundart über denKamm des Rothhaargebirges so auf die Weser zu, dass dieheutigen Kreise Wittgenstein und Siegen ethnographischnicht zu Westphalen gehören.
Der bedeutendste der westphälischen Gaue war derBoroctrer Gau, der bei den mittelalterlichen Schriftstellerndie verschiedensten Bezeichnungsweisen gefunden hat. Baldliest man Boretra, Boratre, dann Boroctra, Boractrum,Borathron, ein andermal wieder Bortergo, Borchtergo.Urkundlich kommen in diesem Gau vor villa Pirrebechi —
*) Der Hof kam später an das Stift Kaufungen in Hessen. Jacobbeschichte des evang. Kirchenrechts in liheinl. u. Westf. I. S. 126
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