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Liber valoris. — Decania Essindensis.
sanctam Gertrudem in der Urkunde über die Stiftung desKlosters Kettwich vom Jahre 1288. (Funcke S. 277.)
Es ist einleuchtend, dass die Münsterkirche die ge-meinsame Mutterkirche von St. Johann und St. Gertrudist; denn aus der Stiftskirche nahmen die Rogations-processionen ihren Ausgang und gewisse Beerdigungsrechteblieben ihr ausschliesslich zugestanden. Es wird abernicht damit bewiesen, das,* sie auch die gemeinsame Pfarr-kirche für die beiden genannten Gemeinden geblieben war.
Es kann kaum zweifelhaft sein, dass die von Altfriedzu Essen gegründete Kirche die erste in dortiger Gegendwar. Wenngleich von vielen Schriftstellern behauptet wird,dass damals die meisten Bewohner dieses Strichs noch demHeidenthume zugethan waren, so ist diese Angabc bei dei-Nähe von Werden, Kaiserswerth, Köln, überhaupt des Rhein-landes und nach der Christianisirung Sachsens durch Karlden Grossen doch nicht wahrscheinlich. In Wattenscheidbestand sogar seit 694 eine Kirche. Nach der damaligenKirchenverfassung und Einrichtung des kirchlichen Lebenswar es nicht nöthig, dass die Bevölkerung, welche über-haupt als eine sehr dünne gedacht werden muss, einerbestimmten Kirche zur Befriedigung ihrer religiösen Be-dürfnisse zugewiesen war.
Erst als der Erzbischof Günther (850—865) die Zehntenzwischen der Ruhr, Emscher und Leithe und weiterhin bisLirich und Lippern der Stiftskirche zu Essen zuwendete(Lac. U. I. 162), erhielt sie einen bestimmten Pfarrsprengel.Es wäre nicht unmöglich, dass die Kirche von Relling-hausen, der ein Theil dieses Zehntens verbleiben sollte,die frühere Pfarrkirche war. Mittlerweile entstanden dieKapellen des hl. Johannes und der hl. Gertrudis und zwarerstere als Pfarrkirche für die geistlichen und weltlicheninnerhalb des Burgfriedens wohnenden Ministerialen desStifts, letztere für die Städter (daher ecclesia forensis).Wahrscheinlich fuhr die Landbevölkerung fort, sich derStiftskirche als ihrer Pfarrkirche zu bedienen; dieser Zu-stand dauerte indessen nicht länger als bis zum Jahre1264, wo beiden Kirchen ein Theil der ländlichen Bevöl-kerung zugewiesen wurde.
In Folge der Reformation ging die Gertrudiskirchefür den katholischen Cultus verloren.*) Ob sie bis dahin
*) Die Reformation hat in Essen früher begonnen, als allgemeinangenommen wird. Von dem Küster der Gertrudiskirche Adolphus, der