zweifelte auch die Möglichkeit, den Offiziersatz in gleicher Güte be-schaffen zu können; Ludendorff vermochte nicht den Chef des General-stabes sieinhart zu machen. Zu spät schrieb am 18. Juli 1914 derGeneralstabschef Graf Moltke: „Es ist die höchste Zeit, daß wirjeden wehrfähigen deutschen Mann zum Waffendienst ausbilden, solluns dereinst nicht der vernichtende Vorwurf treffen, nicht alles fürdie Erhaltung des deutschen Volkes und der deutschen Nasse getanzu haben." Selbst im Jahre 1913 blieben noch 38 000 völlig Taug-liche übrig, die nicht eingezogen wurden. Es gab bei Kriegsbeginnetwa 835 000 Mann Ersatzreserve, die in der Zeit ihrer Militär-reife und später keine Ausbildung erhalten hatten. Ja, nach Ve-rechnungen des Neichsarchivs gab es 1914 (Landsturmpfiichtige ein-gerechnet) an nicht ausgebildeten dienstpflichtigen und zurückgestelltenMannschaften zusammen 5 470 000 Mann!
Frankreich hatte seine Mannschaftsquote weit stärker angespannt,bis fast auf den allerletzten Mann. Es hatte durch Rückkehr zurdreijährigen Dienstzeit seine Präsenzstärke erheblich vermehrt.
Das Wettrüsten ist nicht vom Neiche ausgegangen, sondern vonFrankreich,das schon 1886 auf den Kopfder Bevölkerung 2l,57MarkMilitärlasten willig trug, wo im Reiche nur 9,50 Mark erhobenwurden.
In dem Dreibünde war Österreich mit seinen Rüstungen weithinter dem Reiche zurückgeblieben. Frankreich erleichterte durch Geldund Rat Nußland seine Kriegsvorbereitungen.
An dem Ausbaue einer starken Marine hatte der Kaiser einensehr starken Anteil, daneben der spätere Großadmiral von Tirpitz,ein vorwärtsdrängender, schöpferischer Geist von größter Willens-kraft. Das Volk und der Reichstag folgten willig dem großen Ge-danken einer Schlachtflotte für den Schutz der deutschen Küste undeiner Kreuzerflotte für den der Kolonien. Ein ausreichender Anteilan der Seeherrschaft und der von ihr abhängigen Weltwirtschaftkonnte nur durch eine mächtige Flotte gedeckt werden. Die Vasisdafür war eng genug; denn es kamen dafür nur in Frage derinnere Teil der deutschen Nordseebucht, Wilhelmshaven, der Nord-ostseekanal und die stark befestigte, 1890 durch Tausch erworbeneInsel Helgoland, für die Ostsee Kiel. England konnte eine so starke
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