Kommandogewalt stärker ausgebildet wurde. Es verschärfte sich derDualismus zwischen der obersten „Zivilregierung" und der „Militär-regierung". Es gab also zwei Konfliktszonen, die mildere und sichim stillen abspielende, zwischen den Zivil- und Militärinstanzen, unddie in der Öffentlichkeit sich vollziehende, zwischen Negierung undNeichstag.
Wer heute zurückblickt, kann nur urteilen, daß die AntiMilitaristendie üble Naumlage unseres Vaterlandes, die bedrohlich wachsendeUnsicherheit der politischen Lage, von der nur das eine unabänderlichfeststand, daß Frankreich an jedem Kriege gegen Deutschland teil-haben werde, und die gegnerischen Nüstungen zu gering werteten.
Die Anzahl der Nekruten wirkt sich erst völlig in dem letztenJahre ihrer Gesamtdienstpflicht aus, also nach 20—25 Jahren. Nichtdie Präsenzziffer ist entscheidend, sondern die Gesamtzahl der ge-schulten Mannschaften. Nur in langen Kriegen kann der Nest-bestand ausreichend ausgebildet werden. Es kam darauf an, daß dieZivilregierung eine Linie fand, die der Militärregierung genügteund vom Bundesrate und vor allem vom Neichstage gebilligt wurde.Am diese Schwierigkeiten möglichst zu verhindern, hatte Vismarckschon 1869 eine siebenjährige Bewilligung der Militärlasten erreicht.Das setzte er fort und löste, wenn sich Schwierigkeiten ergaben, denNeichstag auf, so 1886.
Die Präsenzstärke stieg von 1871 mit 401 000 auf 468 000 in1886. Mit der Einführung der zweijährigen Dienstzeit wuchs auto-matisch die Zahl der jährlich ausgebildeten Mannschaften. Weitererelativ niedrige Erhöhungen erfolgten 1893, 1904 und 1911, dannangesichts der politischen Lage schon wieder 1912. Den Abschlußbildete die erst langsam einsetzende Vermehrung auf 661 000 Mannnach dem Gesetze von 1913. Diese Ziffer war aber bei Beginn desWeltkrieges noch nicht erreicht. Der Neichstag unterwarf sich denNegierungsforderungen, aber innerhalb der Negierungen waren,weil man den Neichstag fürchtete und man die Finanzlage desNeiches als schlecht ansah, die ursprünglichen Forderungen desGeneralstabes unter dem Einflüsse des Kriegsministeriums, vor allemdes Neichsschatzamtes, das über den NsrvuZ rsrnm verfügte, er-mäßigt worden, nicht ohne harte Konflikte. Das Kriegsministerium be-
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