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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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Herrenhauses. Die Südstaaten hatten in den Jahren 1904—1906 dasallgemeine Wahlrecht eingeführt. Mit alledem waren den Konser-vativen in der Regel die wichtigsten preußischen Staatsämter ge-sichert, im Neiche war das nicht im gleichen Maße der Fall.

Der Reichskanzler, der in dieser Zeit zugleich auch stets preußi-scher Ministerpräsident war, mußte also, wie Vismarck es bezeichnethatte, auf zwei Pferden reiten.

Einem parlamentarischen Negimente näherte sich nur Vülow inder Periode des Blockes (Konservative und Nechtsliberale), indemer mit den Parteiführern gemeinsame Veratungen pflog. Der lebens-kluge, optimistische Vülow und Vethmann-Hollweg, ein ehrenhafterBürokrat, halfen sich durch die immer mehr anschwellenden Schwierig-keiten durch. Führer waren sie nicht, und der Kaiser war nach allden bitteren Erfahrungen, vor allem nach dem Zwischenfall von1908, etwas ruhiger geworden und hatte seine Selbstsicherheit ge-mäßigt.

104. Die Entwicklung des Heeres und der Marine

Bestimmende Faktoren. Steigerung der Heeresstärke bis1914. Vergleich mit Frankreich. Ausbau der Marine. Ver»selbständig«««! des Militär» und des Marinekabinetts,des Generalstabschefs. Der verantwortliche Kriegsmint»ster. Lücken der Organisation

Die Sicherheit eines Staates ruht auf der Wehrhaftigkeit seinesVolkes, auf der Stärke und Brauchbarkeit seines Heeres und seinerMarine und auf etwaigen zuverlässigen Bundesgenossen. Nach denErfolgen der beiden Kriege wandelte sich die demokratische Sehn-sucht nach Milizarmeen in Verlangen nach möglichster Reduktionder Dienstpflicht und der Militärlasten um. Dadurch, daß der Reichs-tag die Friedenspräsenzstärke zu bewilligen hatte, ein Schwankenaber den berechtigten Wünschen der Heeresleitung zuwiderlief, ergabsich eine Kette von Konflikten, die um so heftiger wurden, als mehrereParteien des Reichstages in diesem Bewilligungsrechte das stärksteDruckmittel auf die Neichsregierung sahen.

Ein zweiter Gegensatz ergab sich daraus, daß die dem Königevon Preußen für die eigenen und angegliederten Truppen zustehende

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