!-«M^«UMUiMi!»
zu ihr berufen. Seiner Auffassung fehlte also nicht die religiöseWeihe. Das brachte ihn auch der katholischen Minderheit näher.In seinem Familienleben war er untadelhaft.
Wir sahen, wie kompliziert die Aufgabe war, die das Neich undPreußen darboten. Er konnte nicht, wie die Herrscher parlamen-tarisch regierter Staaten, sich auf die Aufgabe eines Regulators inKrisen einschränken, und seiner Natur entsprach es nicht, einem zwei-ten Vismarck die Geschäfte weithin zu überlassen.
Einen solchen säkularen Mann, wie jener Junker es gewesen, gabes nicht mehr, ilnter den Staatsmännern waren wohl Talente,aber keine Genies. Der Kaiser, immer tätig, hatte nicht die Konse-quenz der politischen Tenktätigkeit Friedrichs des Großen, des ein-samen Fürsten, und wie viel schwieriger war das politische Lebengeworden als zu jenen Zeiten. Er war auch nicht etwa gewillt,absolutistisch zu regieren, aber die Konstruktion des Staates wiesihm viele und schwere Aufgaben zu, zumal, wenn einmal ein Kriegausbrach, die, ihn zu führen. Er sah und hörte auf zu viele Men-schen. Die Bedeutenden wollte er kennenlernen. Vor allem suchteer auch die fremden Souveräne auf, die er als Monarchen für mehrsolidarisch hielt, als sie es wirklich waren. Von dem Denken des Volkeserfuhr er wenig, um so mehr fanden Männer, die unverantwortlichwaren, sein Ohr. Er glaubte an das Necht seiner Generation, aberzugleich lebten in ihm Ideale einer hehren Vergangenheit, dasGottesgnadentum, die alte Kaiserherrlichkeit. Er war in seinemWesen nicht ausgeglichen, sein Willen zu labil. In seinem Wissenwar leider gerade da eine Lücke, wo sie einem Monarchen am ge-fährlichsten ist. Ihm war das Staatsrecht nicht in Fleisch und Vlutübergegangen. Ohne das war eine monarchische Selbstregierung eineGefahr.
Vismarck hatte ein System von Gegengewichten eingerichtet:Neich, Preußen und die übrigen Länder, Bundesrat und Reichs-tag. Das Abergewicht seiner Person hatte sie alle geschwächt. DieVerfassung umzuarbeiten, wäre kaum möglich gewesen, denn dashätte auf allen Seiten Begehrlichkeit geweckt. Wohl hat Vismarck,unter Wilhelm II. eine Gruppe, daran gedacht, den Neichstag um-zugestalten, doch beide Male blieb es bei Plänen.
477
«KM
WGM