des Reiches „erbetene" Entlassung aus allen seinen Ämtern. Eineneue Periode der Neichsgeschichte begann. Wird sie das Erworbeneerhalten, ja mehren können, war die bange Frage nicht weniger.
Die Zukunft des Neiches, dessen Getriebe so äußerst kompliziertwar, hing davon ab, ob dem Kaiser ein neuer Vismarck erstand,er ihm das volle Vertrauen schenkte, oder ob der Kaiser sich alszweiter Friedrich der Große, als Träger des Staates, bedient vonden fähigsten Männern, bewähren werde. Die Geschichte verliefzwischen diesen beiden Polen.
Der neue hochbegabte Kaiser, der zweifellos von den besten Ab-sichten beseelt war und blieb, trug starke Züge, die auch andereseiner Generation charakterisieren. Er war für fast alles aufgeschlos-sen, was die schnelle kulturelle Entwicklung an Fortschritten darbot.Sein Großvater, in der Schule der Pflicht für den militärischenDienst erzogen, kannte die Grenzen seiner Befähigung und vertrautejenseits von ihnen erprobten Natgebern. Der Enkel, der nach allenSeiten seine Gedanken richtete, war wie seine Zeitgenossen wiß-begierig, auch von schneller Auffassung. Das Neue, das Fremde, dieSchaustellung zogen ihn mächtig an, daher die vielen Neisen, Be-suche der fremden Höfe usw. Dem Großvater lag die Einsamkeit,die sein Dienst ausfüllte, der Enkel war weit beweglicher und vonschneller Meinungsbildung. Der Großvater redete selten, der Enkelbesaß eine oft berauschende Beredsamkeit, die starke, zu starke Wen-dungen nicht vermied. Er war vertrauensseliger als jener, auch Aus-ländern gegenüber. Er hatte ein starkes Geltungsbedürfnis. DerGroßvater zögerte in entscheidenden Stunden, bis er sich den Ent-schluß abgerungen hatte, der temperamentvolle Enkel war rasch,aber er war auch unstet.
Das Ausland, das ihn scharf beobachtete, nahm oft seine Wortefür Taten, hielt ihn fälschlich für kriegslüstern, wo er doch demFrieden dienend sein Volk und seinen Staat emporheben wollte ineiner Zeit, die dem Imperialismus folgend auch die deutsche Politikin diesen Kampf um die Weltgeltung verwickeln mußte.
Auch das Inland tat ihm nicht selten Anrecht, wenn es ein schnellesWort nicht nach der Situation beurteilte, die es verständlicher machte.Von seiner Aufgabe war er durchdrungen. Er fühlte sich von Gott
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