oft recht leidend, daher nicht immer imstande, schnell ruhige Ent-schlüsse zu fassen, um so schlimmer, da er neben, ja mitunter gegenden offiziellen Apparat persönlich politische Schritte einleitete. Schonin der „neuen Ära" wünschte Napoleon Preußen vorwärts zu trei-ben. Vismarck enttäuschte ihn, da er nur eine borussische Politikalten Stiles zu treiben schien. Im Februar 1863 schlug Napoleon,da in Russisch-Polen ein Aufstand ausgebrochen war, eine höchstweitgehende Umgestaltung der Karte Europas und Vorderasiensvor, die ihm mit dem wiederhergestellten Polen den Bundesgenossenim deutschen Nucken gegeben, Österreich auch durch Schlesien undin Süddeutschland, Preußen in Norddeutschland entschädigt, Vene-tien Italien zugewiesen hätte. Die Hofburg lehnte den Plan, dessen«Durchführung einen Weltkrieg losgelöst haben würde, ab. Schonzwei Monate später wandte er sich vertraulich an Preußen. Beijeder Gelegenheit, wo Preußens und Österreichs Interessen aus-einanderzugehen schienen, suchte er den Konflikt auszunützen. Gasteinbegrub seine Hoffnungen. Die Zusammenkunft von Viarritz (Oktober1865) war eine beiderseits vorsichtig geführte Nekognoszierung. Vis-marck ließ sich kein Angebot oder Verpflichtung entlocken, während eraus Napoleons Äußerungen richtig schloß, daß er einen Krieg zwi-schen den beiden Großmächten nicht hindern werde. Napoleon er-kannte, daß Vismarck zu hohem Spiele geneigt sei. Vei dieserlauernden Haltung verfiel der Kaiser dann der irrigen Anschauung,daß Österreich in dem Kampfe siegen oder doch der Kampf sichhinauszögern werde. Tann werde die Zeit für sein Eingreifen kom-men. Er wartete also. Zudem hatte er Kräfte in das mexikanischeAbenteuer des Erzherzogs Maximilian eingesetzt, die ihn zwangen,in entscheidenden Stunden leiser zu treten.
Der russische Zar und die Königin von England wünschten denFrieden erhalten zu sehen. Die Haltung jenes, ein Tank für PreußensStellung bei dem polnischen Aufstande, für den Nußland sicherndenAlvenslebenschen Vertrag (Februar 1863), ließen Vismarck ruhigerüber den Osten denken.
König Wilhelm war durch das Auftreten des Augustenburgers,seiner Anhänger und deren Teckung durch die Österreicher tief ver-stimmt. Man drängte in den Herzogtümern auf Einberufung der
Schulte, Deutscher Staat 2H
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