Das Leben des Kaisers, des letzten Monarchen alter Prägung,war ein ehrenhafter Leidensweg, der die Majestät und die Ritter-lichkeit des Fürsten nicht vernichtete. Ein Nachgeben in der äußerenund inneren Politik, weil besiegt, ein Nachgeben, öfters zu spät, zuspät, weil er an der überkommenen Hoheit der Geschichte seinesHauses festhielt, weil ihn der Glaube an seinen Staat beseelte, dersich trotz allen Schlägen behauptete, weil er an der Pflicht und demRechte festhielt. Er hütete die Ehre und die Lebensnotwendigkeitenseines komplizierten Staates. Seine Friedensliebe fand ein Ende,wenn er sie bedroht sah.
Die italienische Nationalbewegung machte seit 1859 auch denBesitz von Venetien unsicher. Der Kaiser hätte es für Geld an dasneue Königreich, mit dem noch kein offizieller diplomatischer Verkehrwiederhergestellt war, verkaufen können. Das lehnte er als unritterlichab. Mit Preußen war eine starke Spannung entstanden. WerdenPreußen und Italien sich finden?
Wie wird sich Europa dazu stellen? Kaiser Napoleon III. hattedas Nationalitätsprinzip proklamiert. Für Italien hielt er mit Aus-nahme des Nestes des Kirchenstaates an diesem Prinzip fest, erwollte dem neuen Königreiche auch Venetien verschaffen. Aber dasdeutsche Volk sollte nicht nur nicht geeinigt werden, sondern seineSchwäche wenn möglich gemehrt werden. Auch er folgte der altenfranzösischen äußeren Politik. Vei dem zu erwartenden Kriege derbeiden deutschen Großmächte hoffte er, deutsche Lande am Nheinezu gewinnen, darum schürte er das deutsche Feuer. Tank den Ar-beiten Onckens sehen wir klarer in das machiavellistische Spiel desabenteuernden Vonaparte. Die verdeckte, vom Kaiser geleitete Poli-tik ließ nie das Endziel, den Krieg in Teutschland, aus dem Auge,verhüllte die für Frankreich erstrebten „Kompensationen" und triebwechselnd Preußen und Österreich in den Bruderkrieg. Dabei gaber sich jedesmal als einen wohlwollenden Freund, der keinen größereneigenen Vorteil erstrebte. Den Sündenlohn am Nheine scharf for-dern, heißt die um die deutsche Seele kämpfenden deutschen Groß-mächte zusammentreiben. Vielleicht wird er eine Macht verführen,wenn ihr die Kriegsgefahr unmittelbar vor Augen steht. Das isteine schwere Nolle, die volle Geisteskraft erforderte. Doch er war
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