zu führen, auf die Fähigkeit des preußischen Heeres und auf dieeigene diplomatische Kunst. Das Schwerste für ihn war, seinen könig-lichen Herrn zu Entschlüssen zu bringen, die mit seinen ursprüng-lichen Anschauungen nicht übereinstimmten. Von Anfang 1866 anhat Vismarck auf den Krieg hingearbeitet. Er übersah die gesamt-politische Lage, in ihrem Wechsel kam die Stunde, wo der Königdas Interesse seines Staates bedroht glaubte und Befehle im SinneVismarcks gab. König Wilhelm und Kaiser Franz Joseph liebtenden Frieden. Dabei waren beide in erster Linie militärisch interessiert.Der Habsburger hatte 1859 die Niederlagen seiner Armee erlebt,er kannte die zum Teil unvermeidlichen Schwächen seines buntenHeeres. Der Hohenzoller sah mit Vertrauen auf seine Truppen.Er wollte sie aber erst dann verwenden, wenn es die Ehre seinesHauses und seines Staates erforderte, und auch dann dachte erdefensiv zu verfahren, was zweifellos eine Einmischung des Aus-landes herbeigeführt hätte.
Auch dem Habsburger galt der Appell an die Waffen, wenn esdie Ehre des Staates erfordere, als Pflicht. Das Geschick gab demKaiser, der bei aller treuen Pflichterfüllung keine schöpferische Phan-tasie besaß, keinen großen Staatsmann. Dessen Aufgabe wäre ftei-lich viel schwerer gewesen als die Vismarcks. Während dieser ver-suchen konnte, den Deutschen die modernen Gedanken der Nationund der ausgedehnten Volksvertretung, sogar auf das allgemeineWahlrecht gegründet, anzubieten, war Franz Joseph, durch dieNatur seines Staates gebunden, nicht in der Lage, solche Aussichtenzu eröffnen. Er war in die Defensive gerückt, er mußte sich im Vundeauf die Erhaltung der auf die Verträge von 1815 gegründetenRechtsverhältnisse beschränken. Er rechnete damit, daß der alteZustand ihm die Vorherrschaft in Mitteleuropa und den deutschenEinfluß nach Südosten verbürge. Seine Politik wollte und mußtedas Alte aufrechterhalten, aber das war in den Augen weiterKreise überaltert, weil Nation und Volksvertretung als Heilmittelangesehen wurden. Es ist das Verhängnis des wohlmeinenden, pflicht-eifrigen, streng moralisch denkenden Erben eines bunten Dynastie-staates, der doch auch eine natürliche Naumgestalt hatte, gewesen,daß er zum Nealpolitiker des Nachgebens wurde.
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