der einzelnen Staaten ein, so mußte jeder einzelne Staat ihn durcheigenen Gesetzesakt für die Untertanen erst verbindlich machen. Daszu tun war aber eine Vundespfiicht. Der Deutsche Bund erfordertean sich keine erheblichen Geldmittel; denn die Kosten der Bundes.-gesandtschaften sielen den einzelnen Staaten zu. Der Bund machtevon dem Nechte, seinerseits Gesandtschaften bei fremden Mächten zuunterhalten, keinen Gebrauch. Die geringen Ausgaben des Bundeswurden auf die einzelnen Vundesmitglieder umgelegt.
Schauen wir zunächst zurück.
Der unterschied vom alten Neich ist bedeutend und klar. DerDualismus Kaiser und Neich, als der beiden Rechtsträger, ist fort-gefallen. Nur das Neich ist übriggeblieben, jedoch nicht als Zu-sammenfassung von Neichsuntertanen, sondern als eine solche vonSouveränen, die einen Teil der Souveränitätsrechte für immer ab-getreten haben. Der Negensburger Reichstag ist wiedererstanden,vom Osten nach der einstigen Neichsmitte verlegt und als nunmehrigereinziger Rechtsträger und zugleich als Exekutivgewalt.Die alten aufdieReichseinheit hinweisenden Neichsbehörden: Neichskanzlei, Neichs-hofrat, Neichskammergericht, sind verschwunden. Das Staatengebildekennt keine Privilegien mehr; es ist nach einfachen Prinzipien geordnet.
Der Bund verfügte nicht über ein Ministerium der AuswärtigenAngelegenheiten, nicht über eine eigene Diplomatie. Die Einzel-staaten haben zu starke eigene Interessen. Schon die Nebenlande derGroßmächte erfordern für sie eine weitgehende Bewegungsfreiheit.Immerhin ist die Möglichkeit einheitlicher Politik mit schnellen Ent-schlüssen in Frankfurt mehr gesichert als einst in Negensburg. Vomalten Neiche waren die Familienverbindungen all der einzelnenDynastien mit ihren Verwandten auf auswärtigen Thronen über-kommen. Ein kleines Fürstenhaus, Sachsen-Koburg, sollte baldmehrere Throne besteigen. Diese fremden Herrscher behaupteten soeinen beträchtlichen Einfluß auf das Land der Mitte. Noch hatte derhohe Adel zumeist seine Herrschaft gerettet, und selbst die kleinstenHöfe, so sehr sie zum Spotte reizten, büßten die Anziehungskraft aufihre Untertanen nicht ein.
So ergibt sich, daß der Bund zwar stärker war als das alte Neich,mit ihm aber den defensiven Charakter teilte, einer offensiven Politik
Schulte, Deutscher Staat 21
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