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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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ging, nicht ihm folgte. Diese Reorganisation vollzog sich unter denallergrößten Schwierigkeiten. Napoleons Verdacht gegen diesenStaat ruhte nie völlig. Sie erfolgte unter dem Drucke schwerster finan-zieller Nöte. Sie wurde nicht von dem Könige getragen. Er war zuschwunglos, aber er ließ die großen Staatsmänner, ohne auf ihreIdeen seelisch tief einzugehen, gewähren. Seine Gemahlin, die Köni-gin Luise, war bis zu ihrem frühen Tode (1810) mit ihrem festenGlauben an die Aufgaben und die Zukunft Preußens den Neformerneine Stütze.

Freiherr vom Stein, diese edelste Vlüte, die aus der Neichsritter-schüft hervorging, hatte sich dem Dienste Preußens gewidmet, ohnevon dem llnabhängigkeitsgefühle irgend etwas einzubüßen. Er dientePreußen, wie in gleicher Gesinnung Prinz Eugen Österreich gedienthatte. Wenn Stein von sich sagte: „Ich habe nur ein Vaterland, dasheißt Deutschland", so ist damit das eigentlichste Zentrum seinesDenkens und Fühlens gegeben: Er diente Preußen um Teutschlandswillen. Er war nicht bewegt von den literarisch-philosophischen Strö-mungen, nicht von ästhetischen Gefühlen, sondern von kirchlich-reli-giösen, von ethischen Anschauungen ging er aus. Ihn verlockten nichtTheorien, sondern er las in den Seelen der Menschen aller Stände,als Menschenfreund wollte er sie alle veredeln, auf daß sie dann mitden Staat tragen hälfen. Er stieg auf in der Verwaltung Westfalens,lemte alle ihre Seiten kennen. So wirkte er in preußischen Landes-teilen, die im Gegensatze zum östlichen Veamtenstaate, zu dessenAbsolutismus und Adelsvormacht, noch Stücke der Selbstverwaltungin Landständen, in Stadt und Land besaßen. Er fand hier redliche,herzhafte, tätige, um das Gemeinwohl besorgte Männer. Er fühltesich zu ihnen hingezogen, weil sie ihm wesensverwandt waren. Erwarb um Vertrauen zur Mitarbeit des Volkes am Verwaltungs-leben. Zeitlebens blieb er ein Feind der Bürokraten und Schreiber-seelen, auch des Kos- und Veamtenadels. Kein anderer Staatsmannseiner Tage stand so fest auf dem Mutterboden des Volkes, kein an-derer erkannte so klar die guten Seiten der Zustände der vorabsolu-tistischen Zeit, hegte soviel Vertrauen zum deutschen Genossenschafts-geiste, zu den edlen Kräften im Volke wie er. Im Grundbesitze sah erdie Quelle der Verantwortlichkeit und Mannhaftigkeit. Aber auch

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