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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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ebenfalls auf ein Erbreich gegründeten Kaisertitel. Nach dem Vor-bilde Brandenburgs beim Schaffen der Königswürde wäre es leichtgewesen, auf das nicht zum Reiche gehörige Ungarn den Kaisertitelzu gründen, aber schließlich wäre das doch eine falsche Titulatur fürdie Habsburgische Großmacht gewesen. Die alten österreichischen Erb-lande waren früher ein klares Neichslehen gewesen, 1728 hatte zuletztKarl VI. sich selbst mit Österreich belehnt. Die Lothringer hatten dasnicht mehr getan. Lange kämpften die verschiedensten Gefühle mit-einander, schließlich siegte der Gedanke, das altösterreichische deutscheKausgut voranzustellen. Nechtlich hatte das zwar keine Vollsouve-ränität wie die Kaiseilande des Zaren und Napoleons; denn eswaren Neichslehen. Kaiser Franz II., eine schwunglose Seele, fühltenicht tief die Weihe eines Jahrtausends, sein Sinn widmete sich weitmehr dem Kausgute, er war ein nüchterner Nechner. Der öster-reichische Kaisertitel war ein Widerspruch in sich und ein Widerspruchzu dem des römischen Kaisers. Er enthüllte sich in der Versicherung,daß die deutschen Erblande ihre bisherige Verknüpfung mit demReiche bewahren sollten. Tatsächlich sicherte der neue Titel den Erbenauch in dem Falle, daß eine neue Kaiserwahl das Crzhaus übergehenwürde, doch den kaiserlichen Nang. Man wird aber nicht die neueWürde, um mich drastisch auszudrücken, als „Neservekaisertum"bezeichnen dürfen, denn so klar war die Gefahr nicht erkannt. Es wareine Proklamation der längst besiehenden österreichischen Großmacht.

In den Verhandlungen mit Napoleon war dieser Kaiser der über-legene Partner, wenn ihm auch nicht alles gelang. Er konnte jedochdie österreichische Politik an den Höfen anschwärzen, damit die Auto-rität des deutschen Kaisers noch mehr mindern. Dem Reichstagewurde der neue Titel bekanntgegeben, nicht aber dessen Anerkennungbeantragt. Diese erwartete man von den einzelnen Neichsständen.Auf dem Neichstage verlangte nur der König von Schweden alsGarant des Westfälischen Friedens und Neichsstand eine Beratung,doch der Neichstag trat in außerordentliche Ferien und beseitigtedamit den Widerstand des Napoleonshassers, der allein das alteNeichsrecht verteidigte.

Es waren nicht wenige, unter ihnen der in Wien weilende Vor-kämpfer Europas, Friedrich von Gentz, die in dem Akte ein Vekennt-

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