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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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Adels oder der Bürgerschaft eine Versorgungsstätte, wo auchmancher, ohne Beruf zum geistlichen Stande zu haben, unterkam.Allein 700 Domhermstellen wurden dem Adelsvorrecht entzogen.Diese „Adelskirchen", aber auch die privilegienstolzen Klöster warensicher nicht übermäßig päpstlich gesinnt. Als jetzt der ganze privi-legierte Flügel des deutschen Kirchengebäudes zusammenbrach, auchder übriggebliebene Säkularklerus oft von der Bürokratie mit Miß.-trauen behandelt wurde, ergab es sich zwangsläufig, daß starkeNaturen, die aus dem Volke und dem Adel hervorgegangen waren,sich an das Papsttum, und wenn es auch das des von Kaiser Napo-leon mißhandelten und inachtlosen Plus VII. war, anlehnten. Ausder Säkularisation erflofsen zwei Nichtungen, eine der Staatsleitungergebene, auch wenn diese von protestantischem Geiste getragen wurde,und eine zweite, welche dieser Abhängigkeit abhold, streng katholischenAnschauungen huldigte. Das bahnte sich langsam an, doch war dieDemokratisierung des Klerus eine natürliche Folge des Umsturzes,der mit 1803 anhub.

Diese so ungemein weitgehende Säkularisation legte den Staaten,die glückliche Erben geworden waren, zuallermindest die moralischeVerpflichtung auf, dauernd aus Staatsmitteln für die kirchlichenInteressen der katholischen Untertanen zu sorgen. Die Bürokratiejener Tage hatte äußerst wenig Sinn für solche Gesinnungen. Pari-tätisch zu denken und erst recht zu handeln, ist eine schwer zu erlernendeKunst und doch eines Staatsmannes Pflicht. Katholische adeligeDamenstifter wurden von denselben Landesherren aufgehoben, dievöllig gleichartige protestantische als höchst natürlich konservierten.

Vonaparte wurde im Mai 1804 zum Kaiser der Franzosen er-wählt. Die neue Würde war erblich, wie die des Zaren. Franz II.war nur Wahlkaiser. Blieb seine Krone dauernd bei dem ErzHause?Sein erster Minister, Ludwig Cobenzl, dachte österreichisch, er warOpportunist, er hielt den Ehrgeiz Vonapartes für gesättigt und einewirkliche Freundschaft mit ihm für möglich. Die Frage, ob man dieseneue Würde anerkennen solle, gestattete kein Nein; denn das hättedem verarmten Kaiserstaate einen neuen Krieg und sichere Nieder-lage zugezogen; aber man wollte auf die Entscheidung des Zarenwarten und überlegte sich, eine Entschädigung zu finden, also einen

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