sollten, waren verfallen. Welche Veränderung seit den Zeiten, daOtto v. Freising geschrieben hatte, daß hier die größte Kraft desReiches ruhe!
Wenn man mit Necht dieses Jahrhundert als das der Kabinetts-kriege oder der Erbfolgekriege bezeichnet, so darf man nicht ver-gessen, daß der deutsche Kochadel, der auf fremden Thronen saß,sich aus dem deutschen Mutterlande die Gemahlinnen holte, dochnur ganz selten für dieses stille Sorgen empfand, sondern den Inter-essen seines eigenen Thrones folgte.
)8. Die Zeit Friedrichs des Großen
Österreich — Preußen. Bayern—Pfalz. Der Fürstenbun^d.Erste Teilung Polens
Osterreich und Preußen, die beiden deutschen Großmächte, habendie Mitte des 18. Jahrhunderts mit ihrem Kampfe, an dem dasübrige Europa fast restlos beteiligt war, ausgefüllt. Es standen sichgegenüber der männlichste aller Könige und die edelste und stark-mutigste aller Frauen, die je auf einen: Throne saßen.
Unter all den Herrschern, die ihre Kriege als geniale Feldherrnselbst führten, sitzt am Charakter Friedrichs des Großen der wenigsteNost, der doch keinem Menschen ganz fernbleibt. Hinter ihm tretenGustav Adolf, Karl XII. und Napoleon weit zurück. Wir beugenuns auch in Ehrfurcht vor Maria Theresia, vor ihrem natürlichenVerstände, ihrem weiblichen Ahnungsvermögen, ihrem reichen Ge-müte, ihrem Pflichtgefühle, ihrem Heroismus, ihrer religiösen undsittlichen Auffassung, ihrer Klugheit und ihrem Takte. Sie warauch eine schöpferische Frau. Die heutige Auffassung der Nach-kommen ihrer vielerlei Untertanen ist darin einig, sie zu achten undzu verehren.
Der Preußenkönig hatte den Sinn für Macht und Unabhängig-keit, die Willenskraft und Tatenlust seines Urgroßvaters und denSinn für Verwaltung und Sparsamkeit seines Vaters geerbt, denSinn für das hohe Geistesleben gaben ihm Großmutter und Mutteraus Hannover in ihrem Vlute mit. Preußen wuchs in seiner aus-
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