Tiefe Überheblichkeit zog dem Sonnenkönig die Gegnerschaft alterFreunde im Reiche und im Auslande zu. Das ging langsam. DieAufhebung des Edikts von Nantes, das die französischen Prote-stanten gedeckt hatte (1685), wirkte auf die evangelischen Fürstenein. Als Wilhelm von Oranien, der Generalstatthalter der Nieder-lande, die Stuarts vom englischen Throne verjagte (1688), wurdeer das Haupt der Gegner Frankreichs, das im Kampfe gegen diebeiden Seemächte seine Flottenmacht einbüßte. Am vorher dieTürken zu erledigen, war das Neich auf einen 20jährigen Still-stand mit Frankreich eingegangen (1684). Vier Jahre später fielendie französischen Truppen ins Neich ein, weil Ludwig den vollenSieg der Kaiserlichen und Neichischen über die Türken verhindernwollte. Den Pfälzischen Krieg (1688—1697) begannen die Fran-zosen mit der Anlegung eines Wüstungsgürtels, ehe der Feind starkeStreitkräfte herbeigebracht hatte.
Das feine Spiel fähiger Diplomaten trat bei Ludwig zurück,er bediente sich der rohen Gewaltmittel, des Geistes seines rück-sichtslosen Kriegsministers Louvois. Welch ein Niedergang vonRichelieu zu Louvois und seinen Nachfolgern!
Das Zeitalter der großen Crbfolgekriege hatte begonnen, sienahmen das Neich schwer mit, auch wenn es an dem Streitobjekte,wie am polnischen Neiche, gar nicht beteiligt war. Es waren mitAusnahme des letzten, des Bayrischen Erbfolgekrieges (1778), nichtinnerdeutsche Kriege, vielmehr europäische Kriege, die um dasGleichgewicht in Europa geführt wurden. Schon die räumliche Lageunseres Vaterlandes machte es zum Kriegsschauplatze, „darauf manum die Meisterschaft in Europa focht". Seit dem DreißigjährigenKriege war die Nheinlinie aufgebrochen. Hier und in den Nieder-landen kämpften die deutschen Streitkräfte, doch auch in Oberitalienund selbst in Spanien.
Das Neich als solches trat 1674 und 1689 (Pfälzischer Krieg),1702 (Spanischer), 1734 (der bereits auch auf deutschem Vodengeführte Polnische, in dem die Neichsfestung Kehl bereits von denFranzosen eingenommen war) und 1757 (Siebenjähriger Krieg,dieses Mal an der Seite Frankreichs) in den Krieg ein. Die Poleder europäischen Politik waren Frankreich und Osterreich gewesen.
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