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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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Aber das Recht, das ihm die Wahlkapitulation von 1519 gesichert,den obersten Beamten, den Neichsvizekanzler, und die übrigenBeamten zu ernennen, blieb bestehen, wenn auch öfter nur einkaiserlicher Vorschlag von Mainz ausgeführt wurde. Unter Karl V.war der Einfluß von Mainz gering, er bediente sich vorwiegend seineraus den burgundischen Landen oder auch aus Spanien stammendenStaatsmänner. Seit Ferdinand II., der, um den Einfluß von Mainzauf erbländische Angelegenheiten zu unterbinden, 1620 die öster-reichische Hofkanzlei für diese allein einrichtete und zuständig machte,war ein deutlicher Schnitt zwischen Neich und Erblanden vorhanden.Dieser Schritt Ferdinands II. zeigt, wie Österreich-Ungarn sich alsGroßmacht fühlend seine Verwaltung von der des Neiches absondert.

Die 1620 umgestaltete österreichische Hofkanzlei gewann eine erheb-liche Bedeutung, der Hofkanzler wurde fast zum Leiter der öster-reichischen Politik und erreichte durch seinen persönlichen Nat, wieüber den Geheimen Nat, auch auf Neichsangelegenheiten starkenEinfluß. Es vollzog sich ein harter Kampf zwischen Neichsvize-kanzler und Hofkanzler. Nach dem Tode des NeichsvizekanzlersGrafen Kurz (1659) ging das Übergewicht in der auswärtigenPolitik auf die Hofkanzlei unter dem fähigen Vreisgauer Hocher über.Vor allem drehte es sich um die diplomatische Korrespondenz. ImAnfange des 18. Jahrhunderts siegte da die Hofkanzlei. Expeditionenvon Schriftstücken, die ganz klar Verwaltung des Neiches betrafen,erfolgten bis zum Ende des Neiches durch die Neichskanzlei, des-gleichen Mitteilungen an fremde Mächte, wenn das Neich in seinerGesamtheit beteiligt war. Die kaiserlichen Gesandten, selbst die imReiche, berichteten jedoch an die Hofkanzlei, in Verwaltungsfragen(Truppendurchmärsche usw.) an die Neichskanzlei. Die österreichischeStaatspersönlichkeit gewann über das Neich die Obmacht.

Der alte Geheime Nat, in dem seit Ferdinand I. vor allem dieauswärtigen Angelegenheiten beraten wurden, war entsprechendseinem Namen eine beratende Versammlung von Männern deshöchsten Vertrauens, der Neichsvizekanzler gehörte stets dazu. Saßenim Geheimen Nate auch Neichsglieder, so wurde er seit Ferdi-nand II. mehr österreichisch. 1669 wurde aus dem Geheimen Natedie Geheime Konferenz herausgezogen, damit ging der Einfluß der

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