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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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Der Vergleich mit der Eidgenossenschaft drängt sich auch sonstauf. Hier wie dort ein Sichsperren gegen eine ortsfremde Beamten-schaft, ein Zusammenschluß von unabhängig gewordenen Körpern,die einen in ihren Bergen, die anderen in ihren Gewässern unbesieg-bar. Hier wie dort siegte eine moderne Truppe über eine eben ver-altete Waffenkunst. In beiden Fällen erkannten diese Vundesge-nossenschaften das Neichskammergericht nicht an und ebenso wurdensie nicht zu den Reichstagen eingeladen, sie waren eben eigenständigeBildungen, nicht Überbleibsel vergangener Zeiten, kein Herr ausdem hohen Adel vertrat sie. Der hohe Adel spielte bei der Bildungder Eidgenossenschaft keine Nolle. 3n den Niederlanden nahmendie hochadligen Oranier die Stellung des höchsten Beamten ein.

41. Die Rechte des Kaisers im Reiche

Wenn in jenen Tagen es auch noch Theoretiker gab, die von dervollen Machtfülle des Neiches redeten, so war das eine Täuschung.Vollends waren die Nechte, die der Kaiser allein ausübte, zu rechtbescheidenen geworden und sie wieder auszudehnen unmöglich. DieWahlkapitulationen zeigten es.

Der Kaiser war der oberste Lehensherr. Auch in Italien, selbst imKirchenstaate gab es noch eine erhebliche Anzahl von kaiserlichenLehen, die freilich dem Neiche nichts ertrugen. Bei den deutschenLehen kam es immer mehr auf, daß sie durch eine Lehensgesandtschaftempfangen wurden. Da auch auf den Reichstagen sich die Fürstenwie der Kaiser mehr und mehr vertreten ließen, kamen bald Zeiten,da es Neichsfürsten gab, die nie persönlich den Kaiser gesehen hatten,ihn nur von Kupferstichen oder Münzen her kannten. In Paris undVersailles drängten sich die Palais des hohen französischen Adels.In Wien, das sich langsam zur Kaiserstadt entwickelte, sah es ganzanders aus. Die allerwenigsten deutschen Neichsfürsten hatten dortein ständiges Absteigequartier. Ich habe nur Häuser der Bischöfevon Passau, Negensburg und Freising gefunden. Dafür entstandeine Fülle von bezaubernden Palais und Gärten des erbländischenAdels und auch einiger ungarischen Großen. Es waren die Winter-

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