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Pflicht nicht. Ein scharfes Aufgebot von oben her gab es nicht, undneuer Besitz hätte die Neichsritter noch eigenwilliger gemacht. Mankann Sickingen kaum höher werten denn als einen geschäftskundigentüchtigen Söldnerführer, dem es aber durchaus an Gefühl für Unter-ordnung gebrach. Die Neichsritterschaft ging nicht auf Reformenim Sinne des Staates ein. Der gemeine Pfennig wurde von ihr mitder Begründung abgelehnt, man diene dem Neiche mit dem Schwerte.Indem man an dem hohl gewordenen Alten festhielt, sich rein reaktio-när einstellte, schaltete man sich selbst aus. Die zweite Bewegung wardie der Bauern, die eine lange Vorgeschichte hatte. Die Antriebe unddie Ziele waren sozialer und religiöser Natur. Sie berühren auch viel-fach das politische Verfassungsgebiet. Am stärksten tat es ein ehe-maliger kurmainzischer Beamter, Friedrich Weigand, und da laufendie Forderungen mit der Richtung des Neichsregiments auf Stärkungder Neichsgewalt streckenweise zusammen. Anderwärts sind die For-derungen radikal, kommunistisch.
Neben diesen sehr gewaltsamen Bewegungen war die Nichtungdes Neichsregimentes legal. Ich glaube mit dem Arteile nicht zu weitzu gehen: Nie wieder ist im alten Neiche so ernsthaft eine Neichs-reform vorbereitet worden, als es damals geschehen ist.
Auch diese Gelegenheit einer Neichsreform ward versäumt. Beidem ruhelosen Widerstreit aller politischen Kräfte gegeneinander, beidem Bestreben, alle alten Einzelrechte zu verteidigen, niemals demNeiche große Opfer zu bringen, scheiterte die Reorganisation desNeiches durch seine eigene Kraft.
Karl V. hat auf der Höhe seiner Macht sich auf einem Umwegeüber eine Neichsliga nach dem Muster des Schwäbischen Bundeseinen starken Einfluß zu sichern gesucht. Die Neichsstände sollten sichverbünden, einschließlich der Niederlande und Österreichs, alle anderenEinungen sollten verschwinden. Zur Beruhigung des Neiches solltender Kaiser und die Vundesstände Kriegsvolk halten, dem werde derKaiser einen Feldherrn setzen. Im Bunde hätte der Kaiser ein leich-teres Spiel gehabt als auf dem Reichstage mit dem Übergewichte derKurfürsten und größeren Territorien. Der Kaiser hätte vielleicht aufdem Ulmer Deputationstage (1547) nach seinen oberdeutschen SiegenErfolg haben können, aber er weilte in Fortsetzung des Schmalkal-
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