beim Krönungsmahle Joseph II. ein silbernes Sandbecken mit Wasch-wasser vorhalten sollen?
Nie pfälzische Kurwürde ging 1621—1623 von dem geächtetenFriedrich, dem Winterkönige von Böhmen, auf die katholische Linieder Wittelsbacher in Bayern über. Der Kaiser belehnte zunächst vonsich aus und insgeheim den Herzog Maximilian von Bayern und seinSaus, dann billigten auf dem Teputationstage von 1623 die katho-lischen Stände das, die protestantischen, voran Kursachsen und Kur-brandenburg,verharrten beiihremWiderstande.Mit Hilfe Frankreichserlangte Maximilian im Westfälischen Frieden für sich und sein Hausdie Anerkennung seines Rechtes an der pfälzischen Kur. Für denSohn des Winterkönigs, Karl Ludwig, wurde eine neue, achte Kurgeschaffen; nach etwaigem Aussterben der Münchener Wittelsbachersolle die achte Kur wieder eingehen und die alte Kur wieder an diepfälzischen Wittelsbacher fallen. Zunächst wurde damit die Zahl derkatholischen Kurstimmen auf 5 gegen 3 gesteigert.
Das verschob sich wieder, als 1685 in der Kurpfalz die katholischeLinie Pfalz-Neuburg der reformierten Linie folgte, und als KaiserLeopold I. vom Hause Hannover gedrängt und in Erwartung derKriegshilfe seitens dieses Zweiges der Welsen eine neunte Kur er-richtete und 1692 Herzog Ernst August damit investierte. Da einerheblicher Teil der Fürsten das nicht anerkannte, entstand ein höchstärgerlicher und dem Reiche schädlicher Streit. Erst langsam setzten dieWelsen ihren Anspruch durch. Inzwischen war 1697 der Kurfürst vonSachsen, August der Starke, zum Katholizismus übergetreten. DasStimmverhältnis änderte sich dadurch freilich nicht, da die sächsischeStimmführung von der protestantischen Regierung abhängig blieb.Die katholische Mehrheit minderte sich, als 1779 mit dem Aussterbender bayrischen Wittelsbacher die eine der wittelsbachischen Kursiim-mm erlosch.
Der Neichsdeputationshauptschluß von 1803 beseitigte zwei geist-liche Kurstimmen und schuf vier neue Kurfürstentümer, von deneneines katholisch war. Bei der nächsten Kaiserwahl, zu der es jedochnicht mehr kam, hätten 4 Katholische gegen 6 Protestantische ge-standen. Älbrigens hatte Kaiser Franz II. dieser Stimmenverlagerungseine Zustimmung versagt.
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