>!
Z). Konfessionelle Politik bis zum Dreißigjährigen Kriege
Stellung der Kaiser, der Kurfürsten und Fürsten. Katho-ische Mehrheit. Konfession elle Parteien und Kriege. Ver-bindungen mit dem Auslande
Karl V. war ein überzeugter Eiferer für die katholische Religionund ihre Interessen gewesen. Das vererbte er auf seinen Sohn Phi-lipp II., der durch die burgundische Erbschaft auch am Neiche betei-ligt war. Karls Vruder, König Ferdinand I.,sah die Notwendigkeit,den Protestanten Konzessionen zu machen, ein. Das hat er bei demAugsburger Neligionsfrieden bewiesen. Die dort festgestellte Gleich-heit der Bekenntnisse machte das Kaisertum im mittelalterlichenSinne als tatsächlichen Schützer der katholischen Kirche so gut wieunmöglich, vollends für das Papsttum. Es blieben Kaisertitel undKaiservorrechte erhalten. Ein Nömerzug war fortan unmöglich. Aufden Kaiser richteten sich die Augen der Katholiken des Neiches, denener naturgemäß näherstand als den Protestanten. Diesen war er dasvom alten Schimmer noch immer umgebene Neichsoberhaupt, dessenreligiöse Stellung man bedauerte.
Das liWsrvÄtuin 60o1s8ig,8tioiiiu, hat es verhindert, daß im Kur-kollegium und auf dem Reichstage die katholische Mehrheit ver-schwand. Ersteres drohte, als in Köln der Erzbischof Gebhard vonTruchseß sich dem Protestantismus zuwendete. Das Tomkapitel aberfand das Mittel, um den Katholizismus in Köln zu sichern. Es wählteeinen Prinzen des zuverlässig katholischen Fürstenhauses der bay-rischen Wittelsbacher, eine Wahl, die sich viermal wiederholend von1583 bis 1761 Kurköln mit Bayern wie eine Sekundogenitur ver-band. Da die Kuren Pfalz, Brandenburg und Sachsen sich der neuenLehre zugewandt hatten, lag theoretisch die Entscheidung bei derHabsburgischen Kurstimme für Böhmen. Aber die protestantischenKurfürsten hielten doch stets am Hause Kabsburg fest (WahlenMax II. 1562, Nudolf II. 1575 und nach einem Interregnum Mat-thias 1612).
Ohne die Stimmen der katholischen Bischöfe, deren Zahl im Nord-osten noch weiter gesunken war, schließlich auf Null, wäre die Stim-menmehrheit auf dem Neichstage wohl endlich den Evangelischenzugefallen. Doch ist es unmöglich, auch nur theoretisch das Stimmen»
148