berg. In Bayern war das Neichskirchengut immer klein, die Mittels-bacher, die Hauptstütze des Katholizismus weit über ihre Landehinaus, hielten den katholischen Glauben aufrecht.
Die Glaubenseinheit war mit dem Augsburger Neligionsfriedenauch rechtlich verloren, moderne Glaubensfreiheit nicht eingezogen.Im Gegenteil, die Obrigkeit konnte an jeden die Frage stellen, ob erein neues Glaubensbekenntnis annehmen oder anderswo sich seinBrot suchen wolle. Der Landesherr, beraten von Beichtvätern oderPrädikanten, hatte das alleinige Necht, fiir sich und seine Untertanenden Glauben zu wählen. Der hohe Adel hatte in Teutschland imMittelalter mehr Rechte gewonnen als in anderen Reichen. DerNeligionsfriede gab ihm und dem reichsunmittelbaren niederen Adeldas allergrößte Necht, das allerverantwortlichste. In keinem anderenLande erwarb der hohe Adel ein Necht des Vekenntniszwanges.Wir alle, welchem christlichen Bekenntnisse wir zugehören, sind inunserer Glaubensrichtung auch durch Entschlüsse von Fürsten be-einflußt worden, die der Tod schon vor Jahrhunderten dahinnahm.Schon das muß uns allen sagen, daß wir die Verschiedenheit desBekenntnisses mit Geduld und Ehrftircht ertragen müssen, daß wiran dem anderen ehren müssen, was wir an uns selbst geachtet wissenwollen. Wer unser Volk liebt, muß die geschichtliche Entwicklung,die man innerlich noch so tief beklagen mag, achten. Jeden Neligions-wechsel aus Äberzeugung muß man verständig aufnehmen.
Der Glaubenszwiespalt ist eine sehr schwere Hypothek, die auf demLeben des ersterbenden alten Neiches und seinen Nachfolgern ruhteund ruht. Doch soll man nicht vergessen, daß Teutschland allein indem sich ebenfalls in zwei Teile trennenden abendländischen Kultur-kreise mit beiden Seiten in geistiger Verbindung blieb. Die Luthe-raner hegten eine sehr enge Verbindung mit Nordeuropa, die Refor-mierten mit den Niederlanden, von denen ihnen auch die kalvinische Kir-chenverfassung zugekommen war, und den französischen Hugenotten,die Katholiken mit Italien, Nom und Frankreich; sie gewannen dazuBeziehungen zu Spanien und seinen Theologen und Gelehrten, derenEinfluß auf die sich verjüngende Kirche sehr erheblich war. Deutsch-lands räumliche Mittellage ward auch zu einer konfessionellen. Wasdas geistige Leben bereicherte, hatte aber üble politische Folgen.
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