Karls des Großen, aber es fehlte der neuen Herrschaft die Geschlossen-heil und rechtliche Gleichheit. Innerhalb des Weltreiches lag dasunbesiegte Frankreich. Die Erbschaften von Burgund, Spanien undUngarn brachten das deutsche Neich in die nunmehr europäischenStreitfragen hinein, wenn auch nur selten rechtlich. Es ist die einstigeVerbindung des Reiches mit Italien minder wesentlich als die desösterreichischen Kausgutes mit der pyrenäischen Halbinsel einerseitsund Ungarn andererseits. Das System wird noch dadurch mehr ver-wickelt, daß, wenn der Kaiser im Neichsauslande verweilte, die Neichs-geschäfte zum Teil an seinen Bruder fielen. Wie weit ist man voneiner Neichshauptstadt entfernt!
Nach der Abdankung Karls V. fiel Burgund an die spanischeKrone, ist also nicht mehr königliches Sausgut, und nach dem TodeFerdinands I. wurde der althabsburgische Besitz zwischen drei Liniengeteilt. Immerhin herrschte, im Gegensatz zu den luxemburgischenBrüdern um 1400, so viel Familiengeist, daß meist die deutscheund die spanische Linie in der großen Politik zusammengingen.
Das dritte Moment ist die erstarkte Geltung der Neichsfursten.An der Spitze ihrer Territorien dachten sie weit mehr an ihre eigeneMacht, an die „Libertät", als an das Wohl und Wehe des deutschenReiches. Llnter der Schwerkraft dieser drei Momente konnte jederVersuch einer großen Neichsreform, mochte er vom Kaiser oder denFürsten ausgehen, nur selten große Ergebnisse zeitigen.
Aus den religiös-politischen Gegensätzen ergab sich endlich einKrieg von unerhörter Dauer, in den sich auch rein politische Interessenmischten. Nach 30 Jahren der Zerstörung wurde unter vorwalten-dem Einflüsse auswärtiger Mächte ein Friede geschlossen, der diereligiösen Bannkreise genauer abgrenzte, die Macht der Habsburgerbeschnitt und den Fürsten in weitem Maße ihre Libertät sicherte.Die Kronen Frankreich und Schweden garantierten ihn. Das ist eineArt von Kuratel. Der Friede regulierte die Gegensätze, verstärkteaber auch die Unmöglichkeit einer tiefergreifenden Neichsreform.
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