Druckschrift 
Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

seiner Macht nicht möglich war, so waren die eigentlichen Streiterdoch Teutsche, die auf die Zugehörigkeit zum Neiche Wert legten.Am so stärker war das der Fall, je weiter sie nach Norden vorgescho-ben waren und sich damit in einer unerhört exponierten Stellungbefanden. Da der Kochmeister Hermann von Salza, der große Poli-tiker, das volle Vertrauen des Kaisers wie des Papstes besaß, darfein Gegensatz nicht angenommen werden. Auch später arbeiteten daKaiser und Papst, die beiden Spitzen der Christenheit, nicht wider-einander. Beide hatten an dem Erfolge des Ordens gegen Preußenund Litauen Interesse. 1337 erhob Ludwig der Bayer Litauen undSamogitien, die der Orden nur zum Teil unterworfen hatte, zuFürstentümern. Damit wurde der Hochmeister unzweifelhaft Neichs-fürst.

Der Ordensbesitz war inzwischen gewachsen und geschmälert worden.Gewachsen durch Eroberungen, durch Kauf und durch die Ausimhmedes Schwertordens, der in seinem baltischen Kampfraume eineschwere Niederlage erlitten hatte. Der Besitz erreichte im NordostenNarwa und im Westen den Anschluß an Pommern und Branden-burg. Die Lage des Ordens wurde im Kerngebiete eine andere, alsauch die Litauer 1386 den katholischen Glauben annahmen. DerOrden hatte hier damit seine Hauptaufgabe verloren, ja bald war erden Angriffen der vereinigten Polen und Litauer ausgesetzt. Polenund Deutschorden hatten den gemeinsamen Feind verloren, Litauenund Polen wurden zu Feinden des Ordenslandes.

Im Ordenslande Preußen gab es nicht die Streitigkeiten, welcheim Heiligen Lande zwischen den Ritterorden geführt wurden, son-dern zunächst einen einheitlichen Willen. Die Verwaltung wurdeäußerst straff organisiert. Man kannte die orientalische Welt, stärkerwar wohl der Einfluß des Vorbildes Sizilien: Beamtentum, Han-delsmonopole, genaue Rechnungsführung und Kontrolle, die starkeAbhängigkeit der Bischöfe vom Orden und die eigenartige Ordens-politik schufen den modernsten Staat nördlich der Alpen, der auchdas Lehenswesen ausschloß. Idealismus und Nüchternheit waren zu-nächst in diesem Staate des Kampfes für den Glauben verbunden. EinStaat, der auf der Verbindung ritterlicher und mönchischer Lebens-grundsätze beruhte, mußte nach der Bekehrung der Preußen und

WN

W'

135