besondere Privilegien und ein hohes Maß von Selbstverwaltung.König Andreas II. von Ungarn gab 1224 den durch Geisa II. undVela IV. in Siebenbürgen angesiedelten „Sachsen" in Stadt undLand solche Nechte, daß sich neben den beiden Nationen der Nu.-mänen und Szekler die Selbstverwaltung einer „sächsischen" Nationentwickelte, die erst 1867 resp. 1919 beseitigt wurde. Größere deutscheSprachinseln entstanden in Mähren (Iglau), in Kram (Gottschee)und in der Zips (Ungarn, mit Selbstverwaltung und eigenem Nechte).
Innerhalb des deutschen Neiches hatte diese dichtere Kolonisationzur Folge, daß die kleineren slawischen Stämme nach und nach dieMuttersprache aufgaben und eingedeutscht wurden. Diesseits derOder behauptete, gedeckt vor allem durch die Gewässer des Spree-Waldes, ein Teil der Wenden ihre Sprache. Im übrigen wurde dieOder bis Mittelschlesien rein deutsch. Gegenüber der ursprünglich sehrdünnen Bevölkerung war die Zahl der Einwanderer eben sehr er-heblich. Jenseits der Elbe und an ein paar Stellen diesseits, nament-lich zwischen Saale und Elbe, darf man also nicht von rein deutschemVlute der Gesamtbevölkerung reden, aber man darf auch nichtslawische Ortsnamen und gar Adelsnamen pressen, um den Umfangslawischen Vlutes festzustellen. 19 IN lebten innerhalb der damaligenNeichsgrenzen von 65 Millionen nicht weniger als 26 auf Kolonial-boden.
Das ganze Werk der Kolonisation ist ein hoher Nuhm für dasdeutsche Volk, namentlich das norddeutsche, ein glänzender Beweisseiner Fähigkeit zu organisieren, des Wagemutes, der Ausdauer undder Spannkraft. Das wirkte im nordostdeutschen Volkscharakter nach.In der geistigen Kultur behielt zwar das Mutterland noch Jahr-hunderte lang die Führung, doch war die Einwirkung der zahlreichenSchulen und der beiden ältesten deutschen, gerade im Koloniallandeentstandenen Universitäten Prag und Leipzig sehr erheblich. Eswar ein Werk zum Heile des abendländischen Kulturkreises, aber auchzu dem der Völker, die diese kulturelle Oberschicht damals aufnahmen,jetzt aber, da sie sich darin gesättigt glauben oder gesättigt sind, dieTeutschen mit ganz anderen Augen betrachten. Der KontinentEuropa hat nur dreimal große Ausweitungen hochstehender Kultur er-lebt: bei den Griechen, bei den Nömern und bei uns Deutschen.
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