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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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So entwickelte sich in den baltischen Provinzen des einstigenZarenreiches ein Dualismus zugleich politischer, wirtschaftlicher undnationaler Art: eine Serrenschicht von Adel, Klerus, Bürgern undeinigen Bauern deutscher Zunge und eine zweite beherrschte, land-liche Schicht mit eigener Sprache. Diese wurde dem Glaubenjener gewonnen und übernahm auch sonst wesentliche Teile ihrerKultur. Das war eine Massenbewegung großen Stiles und dochgetragen von der Unternehmungslust, dem Fleiße, der Zähigkeit undTüchtigkeit von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen.

Politisch betrachtet gehen von 1200 an die Wege der deutschenKönige und des deutschen, vor allem des niederdeutschen Volkes aus-einander. Jene sind durch das Kaisertum an Italien gebunden, diesesstrebt dem Osten zu. Von 1350 an erlahmte diese Wanderung,an der wohl jede niederdeutsche Stadt in etwa einen Anteil hatte.

Wo bereits der katholische Glaube herrschte (in Polen und Un-garn), traten Adel und Klerus zurück. Einzelne Schichten, derentechnische Überlegenheit nicht bestritten war, hielten am Wandern fest.So kamen deutsche Bergleute nach Böhmen, Angarn und bearbei-teten selbst die Metalladern des Balkans, auch das Steinsalz inPolen. Im allgemeinen zogen die Vauernsöhne der Ebene wieder inebene Gebiete, Vergbauern in die Berge. So kamen sie nicht an ihnenfremde Aufgaben heran, so legten sich die Wanderstreifen von Westnach Ost laufend nebeneinander, wenn sie sich auch zum Beispielin Schlesien mitunter kreuzten.

In den nichtdeutschen Herrschern katholischen Glaubens unter-stehenden Ländern war deren Gunst den Teutschen vom höchstenVorteil. Der Böhmen umschließende Gebirgs- und Waldgürtelenthielt wohl noch Neste aus der Völkerwanderungszeit. DurchKolonisten entstand auch im fruchtbaren Vinnengebiete ein Netzvon deutschen Städten. Deren Amkreis ging aber noch viel weiter.Städte mit deutschem Nechte gab es bis Narwa, bis über denTnjepr und bis nach Serbien, darunter Posen, Krakau, Lemberg undOfen. Oft war es auf die Tauer verhängnisvoll, daß um die Städteherum vielfach keine deutschen Bauern siedelten. Aber es gab inPolen auch nach Magdeburger Necht lebende polnische Dörfer.Alle deutschen geschlossenen Dörfer erhielten von den Landesherren

Schulte, Teutscher Staat 9

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