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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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verteilen. Die unvollkommene Ackerbestellung der Grundbevölkerungkonnte nur die leichten Böden nutzen, gerade die besten und schwerstennicht, ungeheure Wälder und versumpfte Strecken bedeckten wohlmehr als die Hälfte des Naumes. Was der Hakenpflug nicht bewäl-tigen konnte, widerstand dem deutschen eisernen Wendepfluge nicht.Von den Niederlanden aus hatte sich die Kunst der Entwässerungverbreitet. Auch einiges Geld brachte der Vauernsohn mit. DieFremde gab ihm ein freieres Vesitzrecht und eine entwickelte Selbst"Verwaltung. Die deutsche Bevölkerung muß in diesen Jahrhundertenungemein stark zugenommen haben. Der Überschuß füllte die Städte,rodete auch noch in Wald und Moor. Das erschöpfte aber den deut-schen Bevölkerungszuwachs nicht. Einst waren die Germanen vonLandhunger getrieben nach Italien und Gallien gezogen, jetzt gingder Zug nicht mehr in Volkschaften, sondern in kleineren Gruppennach dem Osten, weit individualistischer als damals.

Vor der Kolonisation begann jenseits der Oder oder doch Weichseldas Land ohne Städte und ohne Kaufleute, die den Aberfluß derilrprodukte des eigenen Gebietes und der weiten Wald- und Tundren-regionen bis nach Sibirien hinein dem Abendlande zuführten. Diedortige Wirtschaft hungerte auch nach den überlegenen Fertigwarendes Westens und den Gewürzen wärmerer Zonen. Teutsche Kaufleuteauch kleinerer Orte hatten den Wagemut, ihre eigenen Warenmöglichst weit dem Verbrauche zuzuführen und ebenso den dortigenProdukten möglichst weit entgegenzugehen. Das sind zuerst Sommer-fahrten, doch bald bleiben manche auch den Winter über da. Es ent-stehen in den Gastländern erst deutsche Kolonien innerhalb der fremd-sprachigen Marktorte, dann deutsche Städte, nicht nur der Sprache,sondern dem Wesen nach. Auch Handwerker mit ihrer überlegenenTechnik folgen. Da auch in den eben zum Christentum übergehendenLandschaften der Klerus deutsch ist, Bischöfe, Pfarrer und Mönche,entsteht ein Netz von Städten rein deutschen Gepräges. TechnischeÜberlegenheit kam auch dem deutschen Landadel zugute, der denOrdensrittern auf dem Fuße folgte. Auch die im Landbau außer-ordentlich tätigen Orden der Zisterzienser und Prämonstratenserfanden sich ein. Der innere Wert dieser Kolonisatoren stand alsosehr hoch.

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