nicht ernsthaft in den Kampf einzugreifen. Wie der König, so dieFürsten und Serren. Kein Wunder, daß um 1300 deutsche Terri-torien selbst am Niederrhein bis nach Arnheim und bis zu den Quellender Ruhr im Bunde mit Frankreich standen. Der südwestliche Blockdes Reichsgebietes enthielt im Innern die Eidgenossenschaft, die sichimmer mehr vom Reiche absonderte. Sie grenzte noch nirgends anFrankreich. Die vorderste Linie behauptete im Süden der noch biszur Saöne reichende Besitz des Kaufes Savoyen, daran schloß sichnach Norden die burgundische Franche Comts, welche den Anschlußan das Herzogtum Lothringen bildete.
Der hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England(1339—1453) hemmte die französische Ausdehnung. Die Jungfrauvon Orleans verkörperte auf französischer Seite die höchste moralischeKraft. Die Beurteilung dieser Heldin hängt meines Erachtens vonihrer Staats Zugehörigkeit ab. Gehörte Tomremy zu Frankreich,so ist sie eine Heldin ihres Staates und ihres schwachen Königs.War sie aber, was ich nicht glaube, eine Antertanin des deutschenReiches, so müßte man sie in die Reihe der zahllosen aus derFremde stammenden Streiter einfügen, die das französische Königs-haus stützten. Als die Waffen endlich ruhten, war der französischeStaat sehr gekräftigt, bald wurde er wesentlich absolutistisch regiert.
Schon während eines Waffenstillstandes führte 1444 KönigKarl VII. beschäftigungslose Söldnerhaufen nach Lothringen unddem Elsaffe und erließ ein Manifest. Er verlangte die Unterwerfung,er sei gekommen, die verlorenen Rechte seiner Krone wieder zurGeltung zu bringen. Die Ausdehnungspolitik war wieder aufgelebt.Mit dem Satze Hermann Stegemanns ist sie am kürzesten charakteri-siert : „Teutschland bedürfte des Rheins, um zu leben, Frankreichbediente sich seiner um zu herrschen."
Es folgte nach dem Zwischenspiel der Vurgunderkriege der Anfalldes größeren Teiles der Erbschaft an das Haus Habsburg. AlsKaiser Maximilian die Augen schloß, war die westliche Grenze desReiches in wenigen Händen. Am weitesten war der Erbe Burgunds,sein Enkel Karl, an der Grenze beteiligt. Dazwischen schoben sichdas Herzogtum Lothringen, Besitzungen der Neichsbischöfe vonCambrai, Lüttich, zurückliegend Metz, dann wieder Verdun und
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