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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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Realität der Territorien. Der Deutsche neigte dazu, ein Utopist undLokalpatriot zu sein und dabei auch eine ehrliche, doch viel zu kraft-lose Neichsgesinnung zu hegen. In Frankreich wird die Zeit einesmachtlosen Königtums und untereinander verfeindeter Feudalgebietedurch die einer starken königlichen Gewalt abgelöst. Das war durchdie Hilfe der Legisten erreicht. Sie dienten dem Königtums als Kron-juristen, Gutachter, Advokaten und Nichter, die von Ehrgeiz, Aus-dehnungsdrang und Stolz getrieben Methode in die Politik brachten.Der hohe Adel ist im allgemeinen nicht geneigt, die Macht des Königszu steigern. Er hat in Deutschland den entscheidenden Einfluß, inFrankreich hatten und haben die Legisten geholfen, ihn zu bändigen.

Ihre große Kunst ist es, formales Recht zu schaffen und es imInteresse des Staates zu deuten. Deutsche Reichsuntertanen wurdenunter scheinbar unschuldigen Nechtstiteln an Frankreich gebunden:irgendeine Gerichtsbarkeit, Pariage (Mitherrschaft), Kirchenschutz,Ligefse usw. Frankreich hielt den kleinen Finger fest. Die franzö-sischen, ganz dem Staate dienenden Juristen verstanden sich auf dasAddieren, die deutschen Laien im Rechte ließen das Subtrahierenzu.Tas Grenzgebiet bröckelte ab. An der besonders bedrohten oberenMaaslinie waren vor 1330 zwei Brückenköpfe noch reichisch, währendFrankreich sich zwei andere auf dem rechten Ufer gesichert hatte.

Wir wollen nicht vergessen, was wir dem mittelalterlichen Frank-reich verdanken: die Nitterkultur mit ihren geistigen Auswirkungenin der höfischen Dichtung, die wissenschaftlichen Vildungsanstaltenvor der Begründung der Pariser Universität und sie selbst, dieWandlung in der Architektur und anderes mehr. Die französischeSprache drang selbst in die Urkunden deutscher Adliger ein. FürFrankreich war die Kulturhöhe auch der Anlaß, auf die schwerfälligenDeutschen herabzusehen. Die Nachbarn liebten sich nicht, wie das jaoft der Fall ist.

Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts schuf der Gegensatz zwischenFrankreich und England, zunächst mit dem zwischen den Staufernund Welsen verbunden, immer wieder eine französische Partei imReiche. König Adolf ergriff für England die Waffen, aber in demSinne eines Soldritters. Das hielt ihn nicht ab, in einem üblenDoppelspiele auch von Frankreich Geld zu nehmen und tatsächlich

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