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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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zu ihr lockerten sich noch. Graubünden blieb ein selbständiges Staats-wesen, das 1524 eine festere Organisation erhielt. VorwiegendeMacht des Bischofs von Chur, dann die der Feudalherren und end-lich die der Großgemeinden hatten sich abgelöst. Reste der altenFeudalrechte wurden dem verarmenden Adel abgekauft, die derHabsburger zergingen. Was an alten Geschlechtern übrig war,ward mit Emporkömmlingen zu einem Parteiadel, der von Frank-reich und Österreich-Spanien umworben wurde. Diese Großmächtebehielten Einfluß, das Reich verlor allen und jeden. So gingen ihmdie fiir die Kaiserzüge des Mittelalters meist benutzten Pässe ver-loren. Auch westlich des eidgenössischen St. Gotthard entstand einder Schweiz locker „zugewandter Ort", Wallis, unter Führung derdeutschen Zehnten am Oberlauf der Rhone. Es sind also drei Bünde,aus denen die heutige Schweiz entwickelt ward, in allen geht derKeim der Bildung von den Hochtälern aus, alle drei haben ihrellntertanenlande: bei allen dreien vertraten Gesandte und Residentenfremde Mächte. Auch gespalten wußten die Bünde nach 1648 jedenKrieg vom eigenen Lande fernzuhalten. Dabei lieferten sie den krieg-führenden Truppen! Ebensowenig wie dieses Wallis kümmerten sichin den Westalpen die Herzöge von Savoyen, die noch in der Matrikelgeführt wurden, um das Reich.

Wo lagen sonst im Westen die Grenzen des deutschen Reiches?Sehr selten begegnen in den Quellen Grenzsteine mit dem Reichs-adler. Besser, aber auch unvollkommen, geben die Territorien unsdie jeweilige Grenze des Reiches kund. Ja, es war ungewiß, ob einTerritorium zum Reiche gehöre oder nicht. Auch das Aufkommen desBegriffes „Römisches Reich Teutscher Nation" spielte da mit. Erwurde auch auf Teile der Königreiche Italien und Burgund ausge-dehnt. Die Formel will den vielnationalen Charakter des Reichesnicht beseitigen. Im allgemeinen wich die Westgrenze zurück, währendin dieser Periode die Ostgrenze vorrückte. Das entspricht auch demdamaligen Kulturgefälle von West nach Ost.

Vei der Grenzverlagerung hat nationale Gesinnung, Zugehörig-keit zum Deutschtume nur im Osten eine wesentliche Rolle gespielt.3m Westen war der Adel des Reichsgebietes, wie schon erörtertwurde, nicht selten auch in einen französischen Lehensverband einge-

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