Druckschrift 
Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

Ml

zo. Die Grenzen des Reiches im Westen

Ablösung der Eidgenossenschaft. Gesinnungen auf deutscher,

auf französischer Seite. Frankreich drängt zum Nh^^e.

Französische Sprache

Wo lagen die Grenzen des deutschen Neiches? Es ist schon ge-zeigt, wie Frankreich im Neiche Burgund vordrang. Die Neichs-reformen gaben den Anlaß, daß die Eidgenossenschaft sich tatsächlichvom Neiche loslöste. Da die Krone wieder an das Haus Habsburggefallen war, dieses in der Zeit vor und während der Vurgunder-kriege eine Politik getrieben hatte, die den Schweizern mißfallenmußte, da das Regiment König Ludwig XI. von Frankreich, dervor der militärischen Kraft der Schweizer in der Schlacht beiSt. Jakob (1444) Respekt bekommen hatte, in den folgenden kri-tischen Jahren sich auf die Waffen der Schweizer gestützt hatte, dadiesen das Selbstvertrauen gewachsen war und die Eidgenossen dieHausmachtspolitik der Österreicher dem Neiche aufs Konto setzten,war man zu dem Gefühle gekommen, „vom Neiche nichts erwartenund erhoffen zu können, aber auch nichts befürchten zu müssen"(Ammann).

Als Maximilian den Versuch machte, die Neichsreform bei denEidgenossen einzuführen, weigerten sie sich, den wieder ausgeschriebe-nen „gemeinen Pfenning" zu zahlen und ein vom Neichskammergerichtgefälltes Arteil anzuerkennen. Der alte Gegensatz gegen das HausHabsburg ward nun zugleich ein Gegensatz zum Neiche. DerSchwabenkrieg von 1499 zeigte deutlichst die militärische Überlegen-heit der Schweizer. Das alte Schwabenland trennte sich zu einemViertel vom Neiche. Der Vodensee, einst Alemanniens Mittelpunkt,wurde zur Grenze der Autorität des Neiches, Konstanz eine Grenz-stadt. Die Schweiz trat zu Frankreich in nähere Fühlung, wenn auchnicht in Abhängigkeit. Habsburg blieb einem Teile der Schweizverdächtig. Weniger Sorgen hegte man gegen Frankreich, demeinzelne Kantone gegen gutes Geld oft und auf lange Zeit Truppenstellten.

An dem Schwabenkriege hatten auch die 1468 vereinten dreiVünde Nätiens Anteil. Es kam aber nicht zu einem kräftigen An-schlüsse Graubündens an die Eidgenossenschaft, ja die Beziehungen

12«