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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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Einen Schöpferwillen hatte auch der Mainzer, er traute den im„Neiche" organisierten, mächtigeren Ständen einen dauernden Eiferund einen Willen zur Einigung zu und, wenn schon das sich alsIrrtum erwies, so setzte der Versuch, die auswärtige Politik zuleiten, einen Äberblick über die Kräfte Europas, der ihm abging, undschnelle Entschlüsse voraus, wozu er nicht das Naturell hatte. JenerKompromiß entschied noch nicht den Sieg der kaiserlichen Autoritätnoch den der Neichsstände, die allerdings etwas vordrangen. Wohlhaben manche Historiker den Henneberger günstiger beurteilt, dochwar der Habsburger der letzte Kaiser, der mit dem Leben des deut-schen Volkes und seiner Kultur innig verbunden war.

Im Neichstagsrechte wurde damals manches geklärt. Fortanwurden die Kurien regelmäßig einzeln ohne Anwesenheit der Kaiseran den Verhandlungen beteiligt, dann ein Ausgleich zwischen denKurien erstrebt, endlich, sofern der König die Beschlüsse gebilligthatte, diese in einem „Neichsabschiede" als Gesetz veröffentlicht.

Durch geschickte Benutzung einer augenblicklichen politischen Lagegelang es Maximilian dauernd eine schwere politische Gefahr zu be-seitigen. Da er nicht imstande war, die Fahrt nach Nom zur Kaiser-krönung anzutreten, ließ er sich 1508 zu Trient unter voller Aner-kennung der Nechte des päpstlichen Stuhles als erwählten römischenKaiser ausrufen. Papst Julius II. erkannte das sofort an, indem erdarauf hinwies, daß die Karfreitagsliturgie ja bereits diesen Titelverwende. Damit erlosch praktisch jeder scharfer Einfluß der Päpsteauf die Königswahl, die Nömerzüge wurden überflüssig. So hat nurnoch Karl V. die Kaiserkrönung erhalten, aber nicht in Nom, sondern1530 durch Papst Clemens VII. in Bologna. Von 1508 an wirdman also, wenn man vom deutschen Könige redet, der schon längstauch als römischer König (rsx Rom»,Q0ru,ui) bezeichnet wurde, denKaisertitel einsetzen müssen. Der Schwund der Neichsrechte inItalien hätte wohl auch jeden späteren Nömerzug mit oder ohne dieBegleitung eines Heeres unmöglich gemacht.

Die Neformen der maximilianischen Periode reichten nicht aus,dem deutschenNeiche wieder wirkliche Kraft zu geben. Die Nichtung derDinge wies auf die Entwicklung der Territorien zu staatlicher Macht.

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