NW
W
Heer-, Finanz^ und Gerichtswesen stärken. An ältere Vorschläge an-knüpfend, fordert er einen ewigen Landfrieden, als seine Organi-sation die Einteilung des Reiches in zwölf Kreise. In ihnen sollje ein mit fest besoldeten Nichtern besetzter kaiserlicher (das ist könig-licher) Gerichtshof für Rechtspflege und Frieden sorgen. Sie sollenauch das geltende Recht niederschreiben und den Stoff für eineKodifikation des Rechtes liefern. Das oberste Organ der Gesetz-gebung und des einheitlichen Willens der Nation sollte die jährlichin Frankfurt zusammentretende Neichsversammlung sein. Sie solltegebildet werden aus den Kurfürsten, den Kreisrichtern und Ver-tretern der größten Städte, nicht nur der Reichsstädte, sondern auchlandesherrlicher. Cusanus wollte mit dieser demokratischeren Reichs-Versammlung die Reichstage nicht völlig beseitigen, wohl aus tat-tischen Gründen. Er verlangte ein stehendes Heer, unterhalten durchden Ertrag der Zölle, bestimmt nur für polizeiliche und Verteidi-gungszwecke, also eine Reichswehr. Nie von den Landesherrenverwalteten Zölle und Abgaben sollten je eine Quote abliefern. Eshandelt sich im Grunde um variable Matrikularbeiträge. In ein-samer Tenkergröße hatte der Winzerbube von Kues, der Bahn-brecher in der Philosophie, einen Ausgleich zwischen Herrscher undVolk ausgedacht, auf naturrechtlicher Grundlage, doch in ruhigerErwägung der gegebenen Kräfte. Er mahnte zur Eile, eine tödlicheKrankheit habe das Reich ergriffen. Einem Propheten gleich schrieber: „Man wird das Reich suchen in Teutschland und man wird esnicht mehr finden. Die Folge aber wird sein, daß andere unser Landeinnehmen, wir selbst unter uns zerteilt und also einer fremden Nationunterworfen werden." Wer in Rom zum Moses des Michelangelopilgert, sollte an der Wand in S. Pietro in Vincoli das kleineEpitaph mit dem Wappen des Krebses, unter dem der Kardinal ruht,suchen und ehren.
Um auch nur einen Teil solcher Reformen zu schaffen, wäre einanderer König erforderlich gewesen, als Friedrich III. es war. Tieendlosen Verhandlungen auf den Reichstagen erbrachten nichtsWesentliches. Auch Friedrichs plänereicher Sohn Maximilian, derdringend der Neichshilfe gegen Frankreich bedürfte, konnte denjedes Schwunges baren Vater nicht aufrütteln.
116