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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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finden wir die beiden ehemaligen Pariser Professoren Marsiliusvon Padua und den Franzosen Jean von Iandun und den EngländerWilhelm von Occam. Jene beiden gingen von der Volkssouveränitätaus und zogen unerbittlich daraus die äußersten Folgerungen, nichtnur im Staate, auch in der Kirche. So ist auch das Priestertum,der Papst eingeschlossen, vom Staate abhängig. Dem Papste hatmenschliche Verleihung eine Oberstellung gegeben, die von ihmmaßlos ausgedehnt wurde. Der Papst hat in den weltlichen Dingenkeinerlei Gewalt. Diese ruht beim Volke, der gewählte und absetzbareRegent ist nichts als der Vollzugsbeamte und bestellte Richter desVolkes, auch in der Kirche soll er die Ordnung aufrechterhalten.Occam sah in Papsttum und Kaisertum zwei Gewalten. Überschrittaber eine ihre Grenzen, so hat die andere das Recht einzugreifen.Aber dem Papste steht das Konzil, auf dem auch Laien, von denGemeinden gewählt, Sitz haben. So wurde der Konziliarismus be-gründet, die parlamentarische Kirchenverfassung.

Solche radikalen Theorien traten unter Karl IV., dem Mannepraktischer Politik, zurück. Es wurde schon von Lupold von Veben-burgs Einfluß auf die Nhenser Beschlüsse gesprochen. Auch ergab dem Volke hohe Rechte, die gesetzgebende Gewalt, er stehtaber sonst auf dem Voden der Tatsachen und unterscheidet schärferKaisertum und Königtum. Da ich keine Kirchengeschichte zu schreibenhabe, übergehe ich die Schriften der Zeiten des Schismas und derKonzilien.

Auch in den niederen Kreisen entstanden Schriften, die zum Teilsehr radikale Forderungen stellten. Die sogenannte ReformationKaiser Sigismunds (1439), deren Entstehung ein viel behandeltesProblem ist, und die weit jüngere Vrandschrift des oberrheinischenRevolutionärs, dessen Verfasser wohl immer im Dunklen bleibenwird, seien genannt.

Eine wahrhaft tief durchdachte Auffassung der bestehenden Zu-stände und der Mittel, sie zu bessern, bietet allein die Schrift äsooQ«or63.utia, oÄtIio1i«Ä des großen Moselaners Nikolaus (Krebs)von Kues (1433). Sein geschichtliches Wissen schätzt den Einheits-staat Ottos des Großen, sein politisches urteil sagt ihm, ihn wieder-herzustellen ist unmöglich. Aber er will die Macht des Königs im

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