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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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Diese Gefahren steigerten sich unter zwei verschieden geartetenHerzögen, die dasselbe Ziel hatten, seitdem durch den Frieden vonArms (1435) die burgundische Partei ihren Einfluß in Frankreicheingebüßt hatte. Das französische Königshaus war ein stiller Gegnerder burgundischen Vettern. Ludwig XI., dieser listenreiche König,hielt die Kräfte seines neugefestigten Reiches zurück und hetzte andereFeinde mit Erfolg den Burgundern auf den Hals. Die Herren der inWirtschaft und Geisteskultur führenden Länder waren nicht gewillt,die Lehensbande ruhig zu tragen, sie wollten eine tatsächlich unab-hängige Mittelmacht begründen, sie arbeiteten imperialistisch auf einMittelreich hin, das romanischen und germanischen Raum, Volkund Geist vereinigend, womöglich bis zum Mittelmeer reichend, eineführende Stellung in der Christenheit haben sollte, ja sie, die Nach-kommen Gottfried von Vouillons, träumten davon, wieder dieChristenheit selbst in den Orient zu führen. Philipp der Gute ver»weigerte die Huldigung für seine Neichslehen, dann wurde darüberverhandelt. Der Herzog trat an den Reichskanzler Schlick mit demGedanken heran, das einstige Reich Lotharingien mit Kleve, Iülichund Verg, mit Lothringen, Geldern, Mors und Mark, also bis nachWestfalen hinein ausgedehnt, zu erneuern, König Friedrich III.wollte nur ein abhängiges Königreich Vrabant zugestehen, wie esim Osten Böhmen war.

Philipps Sohn, Karl der Kühne, besser der Verwegene, war erstrecht von Großmachtplänen erfüllt. In ihm erreichte die ruhmsüchtige,phantastische Ritterromantik des Mittelalters die letzte Steigerung.Er träumte von einem Toppeltonigtum: Burgund für den Süden,Friesland für den Norden. Die Namen entnahm er dem ausgehen-den Zeitalter der Völkerwanderung, da es selbständige Staatsgebildegewesen waren. Diesen hohen, kaum klar ausgereiften Plänen liegtrealpolitisch die Beseitigung der zwischenliegenden Territorien undeine reichlich bemessene Äbrundung des eigenen Gebietes zugrunde.Der neue Staat war mehr gegen den französischen Einheitsstaatgerichtet, als gegen das aufgelockerte deutsche Reich. Karl verhan-delte mit dem Kaiser und suchte ihn für den Plan zu gewinnen, derihn noch höher erhoben hätte. Indem er die Hand seiner ErbtochterMaria dem Kaisersohne Maximilian zu geben versprach, schlug er

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