vor, daß er selbst deutscher König werde, nach Friedrichs TodeKaiser, und sein Schwiegersohn dann König. Das heißt also, in dieNeihe der Habsburgischen Könige und Kaiser den Burgunder ein-schieben, das läuft darauf hinaus, das Wahlreich in ein Erbreichzu verwandeln. Der Kaiser entzog sich der Entscheidung durch plötz-liche Abreise. Karl, ein Starrkopf, liebte nicht wie sein Vater dieKünste der Diplomatie, er trennte nicht seine Gegner, er deckte sichnicht im Nucken und in den Flanken, wartete nicht die Gunst derStunde ab, sondern schlug im Vertrauen auf sein ausgezeichnetesNitterheer los. Vor dem Heldenmute der Stadt Neuß, angesichtsdes Heranrückens deutscher Heere, brach sein Zug ins Neich zusam-men (1474). Die Eidgenossen, auf der Höhe militärischer Machtstehend, schlugen zu dreien Malen Karl und sein Heer. Auf demVoden Lothringens, dessen Herzog er verjagt hatte, fand der Toll-kühne den Heldentod (1477).
An der Hand der Erbin hing die Zukunft, nicht nur der Erbschaft,sondern Europas. Ludwig XI. warb mit aller List für den Dauphin.Wäre dieser Ehebund zustande gekommen, so würde das dann sehrerstarkte Frankreich mit Gelderland über den Nhein bei Nymwegenvorgedrungen sein, die schon seit 200 Jahren erfolgreiche französischeAusdehnungspolitik hätte an den Grenzen deutscher Mittel- undKleinterritorien den Mauerfraß fortgesetzt. Niemand wird glauben,daß ein französischer König sich zum Lehensmanne des deutschenKönigs erniedrigt hätte.
Maria entschloß sich anders, sie hielt ihrem Verlobten, KönigMaximilian, die Treue. Das führte zu heftigen Kriegen. NachMarias Tode mußte Maximilian für seinen Sohn Philipp im Frie-den von Arras (1482) auf die französischen Kronlehen zugunstenFrankreichs verzichten, andere, auch die Franche Comt6, sollten alsMitgift der mit dem Dauphin verlobten Tochter Margaret« anFrankreich übergehen. Dem jungen Philipp verblieben nach demFrieden von Senlis (1493) außer den deutschen Neichslehen Flandernund Artois. Die Ehe Margaretas war nicht zustande gekommen,gleichwohl war die Mitgift zum größten Teile an Frankreich ge-fallen. Das gefahrdrohende burgundische Neich war zerteilt. Inder Ehe Marias stak allerdings eine Benachteiligung Frankreichs,
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