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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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Von allen Territorien des Neiches hebt sich Böhmen dadurch ab,daß hier eine slawische Nation mit der deutschen in heftigen Streiteintrat und zugleich sich dauernd ein von dem katholischen Glaubenabweichender behauptete, weder in offenem Kampfe noch durch dieVerwaltung besiegt. Die Glaubenseinheit des abendländischenKulturkreises ward zunächst hier allein durchbrochen. Auch wich dieVerfassung in Grundfragen von allen deutschen Territorien ab.Hier galt männliche und bei Aussterben des Mannesstammes auchweibliche Erbfolge, doch früh verbunden mit dem Wahlrecht derStände, das ist praktisch des Adels, unter Umständen der hohenGeistlichkeit. Die Abergänge wurden erleichtert durch Vermählungmit Prinzessinnen des im Mannesstamme ausgestorbenen Königs-Hauses oder mit der Witwe des verstorbenen Königs. Nach demTode des letzten Przemysliden (^ 1306) setzte der Habsburger KönigAlbrecht I. als Oberlehnsherr seinen Sohn Nudolf ein, der die WitweKönig Wenzels III. heiratete. Eine kurze Habsburgische Periode.Durch Wenzels zwei Schwestern wurden schnell nacheinander dieErhebung Heinrichs von Kärnten und unter Einfluß des für Böh-men zuständigen Metropoliten, des Mainzer Erzbischofs Peter vonAspelt, die des Johann von Luxemburg ermöglicht. Von 1311 bis1437 folgten sich drei Generationen dieses Geschlechtes.

Die Mehrheit der Stände wählte 1437 den Schwiegersohn desverstorbenen Königs, den bald auch zum deutschen Könige gewähltenHerzog Albrecht von Osterreich, der auch dem König Sigismundim deutschen Neiche wie in Ungarn folgte. Diese Verbindung derKönigreiche Böhmen und Ungarn mit einem Teile des österreichi-schen Besitzes dauerte auch unter dem nach dem Tode des Vatersgeborenen Könige Ladislaus an; aber in diesen wirren Zeitenwurden in beiden Reichen Neichsverweser aus nationalem Adeleingesetzt. Der Böhmens, Georg von Podiebrad, folgte 1458 durchWahl dem Könige Ladislaus, gekrönt wurde er erst, als er sichinsgeheim mit der katholischen Kirche versöhnt hatte. 1471 wurdeWladislaus Prinz von Polen zum Vöhmenkönig gewählt, der auchKönig von Ungarn wurde. In der Geschichte gibt es kaum eine raffi-niertere Eheverabredung, als die 1515 zwischen Kaiser Maximilianund König Wladislaus abgeschlossene. Der Polensohn Ludwig II.,

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