Druckschrift 
Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

Bei den Luxemburgern löste sich das westliche Stammland unterKarl IV. von dem Besitze der böhmischen Wenzelskrone und derenNebenländern ab, um später an das Haus Burgund zu kommen.Zeitweise besaß das Haus auch die Markgrafschaft Brandenburg,verfügte also 1373 bis 1415 über zwei Kurstimmen. Der kluge Rech-ner Karl IV. gewann seinem Hause von kleineren Erwerbungen ab-gesehen auch große Stücke der Oberpfalz, die Neste der Lausitz unddie in Schlesien noch unabhängigen Herzogtümer Schweidnitz undIauer, also das Odergebiet bis zur Grenze Pommerns, dazu ander mittleren Elbe einen starken Halt, wo Tangermünde von Karl IV.hoch begünstigt wurde. Es sollte neben Prag eine zweite Nesidenzwerden. Die Erbverbrüderungen mit den Habsburger» (1364) undmit dem Könige von Ungarn, dem damals auch Rumänien undSerbien unterstanden (1361), ließen die Wesenheit der späteren Habs-burgischen Donaumonarchie als Hoffnung auftauchen. Wirklich wurdeSigismund König von Ungarn, wenn ihm auch die von seinemSchwiegervater Ludwig dem Großen gleichfalls getragene polnischeKönigskrone entglitt. Karl IV. rechnete mit dem Familiensinne, derihm selbst überkommen war; zwischen seinen Söhnen herrschte aberHader. Der Vater hatte von dem slawisch-deutschen Böhmen ausdas königliche Hausgut weit in plattdeutsch sprechende Gebiete vor-getrieben, dem Habsburgischen Hausgute hat nie ein plattdeutschesLand angehört. Karl IV. machte seine Geburtsstadt Prag, in derer auch die erste deutsche Universität errichtete, die im Handel, inWissenschaft und Kunst von ihm möglichst gefördert wurde, zumMittelpunkte des Neichslebens, es war auf dem Wege die Haupt-stadt auch des deutschen Neiches zu werden. Als Schatzhaus für dieInsignien des deutschen Neiches und Böhmens erbaute Karl die BurgKarlstein, als würden diese beiden Gewalten immer vereint bleiben.

Tann brachen die tschechischen Interessen stärker hervor. Es kamendie Kämpfe nationaler, religiöser, sozialer und ständischer Natur,die die Geschichte Böhmens mit einzelnen Nuhepausen bis in denDreißigjährigen Krieg so turbulent machen.

Bei der Eigenart der böhmischen Verhältnisse muß ich längerverweilen und die Geduld der Leser stark in Anspruch nehmen. DieGrenzländer besonders zu beachten, ist eine Aufgabe dieses Buches.

93